jtkn

Monat: Februar, 2010

Treppe Fenster Klo

„Häuser sind Bauwerke, die Menschen zum Schutz vor Gefahren errichten. Sie können verschiedene Formen haben und erfüllen in der Regel viele Funktionen.“

Ein simpler, nüchtern klingender Titel, einfache Sätze und bunte, abstrakte Zeichnungen – fertig ist ein Kinderbuch, das vor allem eins soll: Spaß an Architektur zu vermitteln. Und das tut es – Seite für Seite.

Die Grafiker Aleksandra Machowiak und Daniel Mizielinski stellen in ihrem Debut mit frischem Humor 35 ungewöhnliche Bauprojekte von Leipzig bis Tokio vor. Dabei werden Idee und das Einzigartige der unterschiedlichen Häuser erklärt, aber auch die jeweilige Funktion, Architekt, Baujahr, Lage, Material und Bauweise erläutert. Das Buch ist also gleichzeitig eine Art Nachschlagewerk, wenn auch ein sehr eigenwilliges. Alle Gebäude haben zusätzlich kindgerechte Spitznamen erhalten, die sie meist sehr treffend betiteln.

So findet man unter anderem das Rucksackhaus, das Seifenblasenhaus, das aufblasbare Haus, das Haus aus Treppen, das ganz und gar durchsichtige Haus, das Kofferhaus, das Vorhanghaus und das Haus am Ende der Welt auf der Karte, die alle Projekte verortet und gleichzeitig auch als Inhaltsverzeichnis dient.

Dieses Buch ist mit Sicherheit nicht nur, wie angegeben, für sieben- bis neunjährige Kinder geeignet. Das gut recherchierte Buch nimmt uns (für einen kleinen Preis!) mit auf eine spannende Reise durch die Welt der Architektur – zeigt kreative Köpfe und ihre Ideen. An den vielen Zeichnungen und grellbunten, lebendigen Grundrissen kann man sich nicht satt sehen. Deshalb erweitern wir die Altersangabe an dieser Stelle auf „7-99 Jahre“ und hoffen, dass „Treppe Fenster Klo“ nicht nur in der Kinderbuchabteilung zu finden ist.

(erschienen in der BNW#160 vom 5. Februar 2010, Jeanette Kunsmann)

Treppe, Fenster, Klo: Die ungewöhnlichsten Häuser der Welt
Aleksandra Machowiak, Daniel Mizielinski
Aus dem Polnischen von Dorota Stroinska

Moritz Verlag, Februar 2010,
gebunden, 156 Seiten, farbig,
18,00 Euro


Advertisements

Totales Theater in Burkina Faso

Am kommenden Montag geht es endlich los. Aus einer lang geträumten Idee wird endlich ein kleines Stückchen greifbare Realität: In Ouagadougou, der Hauptstadt der ehemaligen französischen Kolonie Burkina Faso, wird der Grundstein von Christoph Schingensiefs „Festspielhaus in Afrika“ gelegt – einem Operndorf, das am Ende mehr sein wird, als ein Festspielhaus, wie wir es in Europa kennen.

Seit Weihnachten 2008 steht die Idee ausgesprochen im Raum, denn zu dem Zeitpunkt lernen sich das so genannte „Enfant Terrible der deutschen Theaterlandschaft“ und der Architekten und Aga-Khan-Preisträger Diébédo Francis Kéré kennen. Der Beginn des Projekts ist gleichzeitig der Beginn einer Freundschaft, die mit der Zeit weitere Künstlerfreude wie Roland Emmerich, Herbert Grönemeyer und Henning Mankell für die Idee begeistert und mit sich zieht.

Und welche Idee steht hinter dem Festspielhaus? Aus den Begriffen „Soziale Plastik“, „Totales Theater“ und dem Wunsch, die Kultur in Afrika zu fördern, entsteht Schlingensiefs Gedanke eines sozialen Festspielhauses. Es beginnt eine lange Suche nach einem geeigneten Standort – Afrika ist groß. Als im vergangenen Sommer zur Regenzeit eine informelle Siedlung in Laango am Stadtrand von Ouagadougou durch die Fluten im wahrsten Sinne des Wortes „weggespült“ wird, steht der Ort fest – das Konzept des Festspielhauses wird zu einem „Operndorf“ erweitert.

Neben dem Theater sollen in Laango nun auch eine Schule für 500 Kinder mit Musik- und Filmklassen, Werkstätten, eine Krankenstation, Solaranlagen und, ganz wichtig für Afrika, ein Brunnen entstehen. Laut Schlingensief können „die Menschen zu uns kommen, bei uns Theater spielen, aber auch lernen, wie man ein einfaches solides Haus baut. Wir könnten die so geschaffenen Prototypenhäuser als Umkleideräume für die Künstler oder als Gästehäuser für auswärtige Künstler nutzen. Es wird mehr ein Operndorf als ein Opernhaus. Das Theater soll allmählich wachsen.“

Bisher wurden eine Millionen Euro für das Projekt gesammelt. Das Innenleben des Theaters sowie dreizehn Theatercontainer wurden von der Ruhrtriennale gestiftet und kürzlich zusammen mit Bühnenbauten und Bühnenbildern nach Ouagadougou verschifft.

Diébédo Francis Kéré hat als Form ein schneckenförmiges Gebäude entworfen, das mit der Zeit wachsen kann und sich gleichzeitig an die klimatischen Bedingungen anpasst. Denn wie bei seinen anderen Bauten in Burkina soll auch das Operndorf ohne Klimaanlage gebaut und natürlich belüftet und gekühlt werden. Sein Entwurf kombiniert deshalb traditionelle Lehmbauweise mit modernem, innovativem Stahlbau, ist nachhaltig und vor Ort umsetzbar. Schließlich sollen die Leute am Bauprozess des kreisförmigen Dorfes und des Zentralbaus beteiligt werden – anders als in Europa ist die soziale Komponente in Afrika ein grundsätzlicher Bestandteil eines jeden Bauvorhabens, aber auch einer nachhaltigen Entwicklungshilfe.
(Jeanette Kunsmann)

www.festspielhaus-afrika.com

erschienen am 5. Februar 2010 in den BauNetz-Meldungen

acting in public – raumlabor berlin

„Acting in Public“: Was wie ein Schlachtruf klingt, ist eben auch als ein solcher zu verstehen. Doch kämpft das Team von raumlabor nicht nur um Brachen, leer stehende Plattenbauten oder Paläste aus vergangenen Zeiten, seine Arbeiten sind auch in Theatern, Museen oder Kunstausstellungen zu sehen.

Am kommenden Dienstag beginnt in Berlin im Haus der Kulturen der Welt die transmediale.10 – ein Festival für Kunst und digitale Kultur. Raumlabor organisiert nicht nur den Schwerpunkt der Ausstellung, es hat auch das Foyer der „Schwangeren Auster“ mit einer ungewöhnlichen Raum-Forschungsstation besetzt. Wir haben uns dort im Vorfeld etwas genauer umgesehen und gemerkt, dass raumlabor eine ganz schön bunte Mischung ist. (jk)

 

 

 

 

 

 

 

 

(erschienen in der Baunetzwoche#159)

siehe auch:
www.raumlabor.net
www.dailytonic.com