jtkn

Monat: Mai, 2010

Erinnerungen/ Souvenirs

Hätten wir darüber nachgedacht,
hätten wir uns vorher gekannt?
Zwischen dem Grauen und dem Morgen,
wenn morgen eigentlich schon übermorgen ist.
Und das, was dazwischen liegt,
eine andere Bedeutung bekommt.
Mathematiker würden wahrscheinlich
von Parallelverschiebung sprechen.
Doch bleibt dann nicht eine Konstante,
die uns mit der Wirklichkeit verbindet?

Hätten wir das gedacht, vorher?
Vielleicht vorgestellt.
Vielleicht gewünscht.
Vielleicht nie erlebt.
Wenn das Danach zum Vorher wird,
die Minuten in Sekundenschnelle zu Stunden werden.
Und nur kleine, blaue Flecken,
die man kaum sehen kann,
aber spürt und fühlt,
mit einem breiten Lächeln
an den Moment erinnern…

(Berlin, 24. Mai 2010)

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Bevor Langeweile aufkommt,
denn die ertragen wir nicht,
setzen wir uns lieber in den Regen und
spielen Fußball mit unseren Gedanken.

Neues von SANAA SUPERSTAR

Montag / Ellis Island / New York /
Ryue Nishizawa und Kazuyo Sejima kurz vor der Übergabe des Pritzker-Preis 2010

Er: „Bist du sicher, dass du die Bürotür abgeschlossen hast?“
Sie: „Ja, doch, ich glaube schon..”
Er: „Hast du nicht!”
Sie: „Ach selbst wenn, wir bräuchten eh mal wieder eine Reihe neuer Praktikanten mit frischen Akkus!”

African Arenas

Die weite Leere des Spielfeldes. Der Platz: sandig und öde. Hunderte Augenpaare, die gebannt das Spiel verfolgen, während einige Beine dem Ball hinterherlaufen – die Füße ohne Schuhe. Das Tor: zwei Holzpflöcke, vielleicht aus Bewehrungsstahl, natürlich meist ohne Netz, und der Ball aus Plastiktüten zusammen gebastelt. Es braucht nicht viel, um Fußball zu spielen.

Diese Kultstätten voller Euphorie, Stolz und Sehnsucht – vom Bolzplatz bis zur Arena, vom Fast-Nichts zwischen den Siedlungen bis zu den Betonarenen der Städte mit ihren Flutlichtern und Tribünen – sie alle folgen demselben Prinzip. Keine Frage: König Fußball regiert auch Afrika. Wenn in diesem Sommer die Welt gebannt die Spiele der WM in Südafrika verfolgen wird, hat der Kontinent die Chance, auf sich aufmerksam zu machen und ein Zeichen zu setzen. Afrikas Fußballplätze sind, in Mandelas Worten, Orte der Freude. „Der afrikanische Fußball“, so sagte er einmal, „ist ein Riese, der viel zu lange geschlafen hat.“ Nun erwache er in vollem Leben, bereit sich zu präsentieren und das mit uns zu teilen, was ihn so einzigartig mache.

Kurz vor dem großen Anpfiff am 11. Juni zeigt Fotograf Thomas Hoeffgen in seiner aktuellen Ausstellung und dem gleichnamigen Buch seine Fotos afrikanischer Fußballorte. Er nimmt uns mit auf eine Reise durch Nigeria, Namibia, Botswana, Sambia, Malawi und Südafrika und dokumentiert neben den Arenen und Stadien auch Spieler und Zuschauer. Eine Welt außerhalb der großen Stadienbauten, die uns bald täglich im Fernsehen begegnen werden.

Hoeffgen, der als Kind eine Waldorfschule besucht hat, an der Fußball spielen nicht erlaubt war, hat ein besonderes Verhältnis zum Fußball entwickelt – der Reiz des Verbotenen lockte ihn. In seinen Fotos spürt man diese Leidenschaft – ja vielleicht weht einem sogar etwas Staub ins Gesicht. (jk)

African Arenas
Thomas Hoeffgen
Hatje Cantz, Mai 2010
Deutsch, Englisch, Hardcover,
144 Seiten, 81 farbige Abbildungen

29,80 Euro

Die Ausstellung „African Arenas“ ist noch bis zum 2. Juni 2010 im Auswärtigen Amt in
Berlin und vom 5. Juni bis zum 18. Juli 2010 im Nürnberger Künstlerhaus zu sehen.
www.auswaertiges-amt.de

(jtkn/erschienen im BauNetz am 12. Mai 2010)

WM 2010 – Die neuen Stadien in Südafrika

Der Countdown läuft! In weniger als einem Monat beginnt die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft. Wer nicht wie Kuranyi und Frings zu Hause bleiben muss, kann sich auf Sonne, Steppe und neue Stadienbauten in Südafrika freuen. Ein afrikanisches Wintermärchen, das sich nach Sommer anfühlen wird. Mehr

(jtkn/erschienen im BauNetz am 12. Mai 2010)


Global Hero – Zaha Hadid auf der Time 100-Liste

Dieses Jahr hat es nur ein Architekt bzw. Architektin in auf die Liste des Time Magazine der 100 einflussreichsten Personen weltweit geschafft: Die Kategorie der Denker führt niemand anderes als Zaha Hadid (59) an. Eine Architektin aus dem Irak, eine Frau, und eben nun auch offiziell bestätigt: eine Denkerin!

Stark, sinnlich und ikonenhaft seien ihre Arbeiten, so Donna Karan in ihrer Lobrede. Sie habe einen persönlichen Stil. Aufgewachsen im Irak, verbinde sie Ost und West mit Raffinesse. Ihre Architektur sei leicht und poetisch, die Gebäude voller Leidenschaft – Zaha Hadid sei eine Frau, die man treffen muss.

Die Liste des Time Magazine gliedert sich in fünf Kategorien: „Leaders and Revolutionaries“,„Builders and Titans“, „Artists and Entertainers“, „Heroes and Icons“ sowie „Scientists and Thinkers“. In dieser Reihenfolge werden jeweils rund 20 Persönlichkeiten angegeben. Platz 1 der Time 100 wird von Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva belegt. Barack Obama belegt Platz 4, und Bill Clinton steht auf Platz 1 der Kategorie der Helden.

In der Kategorie der Künstler tummeln sich Lady Gaga (Platz 1), Robert Pattinson (Platz 6), der Designer Marc Jacobs (Platz 18) und Banksy (Platz 20). Steve Jobs folgt Hadid in der Kategorie der Denker übrigens auf Platz 11 – die Marke Zaha Hadid liegt also in Zeiten von iPhone und iPad trotzdem gute zehn Plätze vor Apple!

Vergangenes Jahr schaffte es übrigens das New Yorker Architektenpärchen Elizabeth Diller (54) und Ricardo Scofidio (74) in der Rubrik „Artists & Entertainers“ auf Platz 50. Rem Koolhaas vertrat 2008 als einziger seines Metiers die Architekten und belegte Platz 68.

(jtkn/ erschienen am 10. Mai 2010 in den BauNetz-Meldungen)

Sonntags

ich sitze auf meiner badezimmermatte.
nackt natürlich.
mit deiner gabel esse ich weintrauben und
frage mich, wie deine gabel in meine hand kommt.
hinter mir die dusche
darunter du
deine zunge weiss zuviel und
kann nicht aufhören zu singen.
ich lausche deinem lied und dem wasser,
das über deinen körper fließt und
denke an unseren letzten regenspaziergang
deine haut ist nass und fühlt sich aufregend an.
du fragst mich, warum ich deine gabel in der hand habe,
ich lege sie weg und füttere dich mit weintrauben.
heute sind wir griechisch,
mit frotteetüchern umwickelt liegen wir auf meiner badezimmermatte.

(Jeanette Kunsmann/ Hamburg, Mai 2000)

I love you more than yesterday

deine lippen
sind überall
und berühren sanft
alles, was zu mir gehört.
ich rieche deine stimme,
höre deine haare
und schmecke deinen atem
manchmal
vermisse ich dich sehr
dann küsse ich die leere stelle
neben mir im bett.

(jtkn/ Berlin 2010)

Fussel

Ich habe eine schwarzen Fussel auf meinem Teller
gefunden. Der ist, glaube ich, von dir.
Kannst du mir deine Adresse geben, damit ich ihn dir zurück schicken kann?

(jtkn/Berlin, 2008)