jtkn

Monat: Juli, 2010

thinking about something…

Um keine Autogramme geben zu müssen, habe ich mir meine Hand bandagiert.

Bei jedem Kuss werden rund 250 Bakterien ausgetauscht.

Im Wohnzimmer sitzt ein Engel auf dem Sofa und fragt nach einem Kaffee. Ohne Zucker.

Ich trockne mit meinem Fön die ganzen Tränen.

Wenn das Leben eine Eckkneipe ist, was ist dann der Tod?

Wir haben Elvis gehört, stundenlang, auf dem Bett liegend, nackt und zu zweit.

Superhelden haben nie Gepäck.

Am Ende eines Pornos wird auch nicht geheiratet.

Advertisements

Jeanette Colette…

…ersetzt an dieser Stelle ab sofort Jeanette Kunsmann und schreibt weiter in diesem Blog. Das Kürzel jtkn bleibt bestehen. Jeanette Colette ist diejenige, die Geschichten und Gedichte schreibt. jtkn markiert Nachrichten und Sonstiges. Jeanette Kunsmann ist die, die Steuern und Krankenkasse bezahlt.

„Hast du noch Gefühle für mich?”

Was passiert, wenn nichts passiert?

Jedes Jahr wieder: Theaterferien. Das Theater schließt seine Pforten. Aber was passiert, wenn nichts passiert?

Fünf originalgetreu nachgebildete Säulen komplettieren die vorhandene Kulissenarchitektur und bringen die Volksbühne, für die Dauer der Sommerpause, selbst auf die Bühne. Die Schließung des Portals soll aber nicht nur ein absurdes Bild für die Anwesenheit von Abwesenheit schaffen. Mit der Installation wollen Anja Ohliger, Sebastian Appl, Ulrich Beckefeld von dem Berliner Büro osa office for subversive architecture das bauliche Pathos eines historischen Gebäudetypus konterkariert, dessen Ausdruck in einem glücklichen Mißverhältnis zu den darin produzierten Inhalten steht.

Ort: Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin-Mitte
Dauer: 16.07. – 28.08.2010

osa ist eine Gruppe von Architekten, die sich an der Schnittstelle zwischen Architektur, Städtebau und Kunst mit der experimentellen Gestaltung städtischer Räume beschäftigt mit dem Ziel, gewohnte Wahrnehmungsmuster zu unterwandern.

40 Grad im Schatten

Draußen schwirren die Fliegen, ansonsten bewegt sich kaum etwas, in der flirrenden Hitze steht die Luft. Wenn morgens um halb sechs in Burkina Faso die Sonne aufgeht, wird es schnell unerträglich heiß – bei bis zu 40 Grad im Schatten kann sich auch mal jeglicher Elan in Luft auflösen. Hier, in Gando, einem kleinen Dorf ca. 200 Kilometer von der Hauptstadt Ouagadougou entfernt, sind dennoch in der Ferne lebhafte Kinderstimmen zu hören – sogar ziemlich viele Kinderstimmen, die ein aufgeregtes Französisch plappern. Mitten in der Landschaft, leicht versteckt hinter einigen Bäumen, steht die Schule von dem Architekten Francis Kéré.

Ursprünglich sollten in der neuen Schule 120 Kinder unterrichtet werden, nun sind es weit über 500. Die Grundschule in Gando ist längst weltberühmt, wurde in internationalen Architekturfachblättern, aber auch in Tageszeitungen und Apothekenrundschauen veröffentlicht – sogar in den Tagesthemen war sie schon zu sehen. Mit zahlreichen Preisen ist der Neubau ausgezeichnet und gelobt worden – Kéré plant gerade ein weiteres großes Projekt: ein Operndorf mit Christoph Schlingensief in seiner Heimatstadt Ouagadougou.

Alle unter einem Dach

Von weitem sehen die Lehmbauten fast etwas bescheiden aus. Besonders auffällig ist nur das Dach. Drinnen ist es unerwartet hell und vor allem angenehm kühl. Überhaupt unterscheidet sich dieses Gebäude in vielerlei Hinsicht von den üblichen Schulbauten. Auf den Bänken drängeln sich zwar doppelt so viele Kinder wie vorgesehen, doch ist die Luft angenehm und es stinkt nicht wie in den anderen Wellblechbauten. Weil die Freude über unseren Besuch aus der Ferne so groß ist, muss die Mathestunde verschoben werden – die Schüler wollen singen.

Das Dach ist wie die anderen Dächer in den Dörfern und Siedlungen der Umgebung aus Wellblech. Eine Eisenkonstruktion hebt es in die Höhe und sorgt für eine perfekte Durchlüftung der Räume. Kommt man näher, sieht man, wie aufwändig der dünn dimensionierte Bewehrungsstahl gehalten wird. „Wir haben viele Tests gemacht die Konstruktion immer wieder optimiert und weiter entwickelt. Das Dach muss schließlich auch dem Regen standhalten“, erklärt Kéré.

Als Francis Kéré sieben Jahre alt war, gab es noch keine Schule in seinem Dorf. Er hatte Glück, denn als Erstgeborener wurde er auf ein weit entferntes Internat geschickt, später dann nach Deutschland. Er studierte, engagierte sich als Entwicklungshelfer, und gründete noch während des Architekturstudiums in Berlin den Verein „Schulbausteine für Gando e. V.“ um einen Traum zu verwirklichen. 2004 wurde er für seinen Traum mit dem Aga Khan Award for Architecture ausgezeichnet. Die Pläne seiner Diplomarbeit für die Schule in Gando sind mittlerweile elf Jahre alt und hängen immer noch im sechsten Stock vor den Seminarräumen der Technischen Universität Berlin.

Geleitet vom klimatischen Konzept

Lokale Baustoffe und traditionelle Bauweisen sind das Erfolgsrezept des afrikanischen Architekten, der dies geschickt mit dem technischen Know-How aus Europa kombiniert. Das klimatische Konzept bestimmt in seinen Entwürfen weitgehend Form und Aussehen der Gebäude. In Gando sind je drei Klassenräume linear unter einem Dach angeordnet, die überdachten Zwischenbereiche sind für eine Mischnutzung aus Unterricht, Spiel und Pause angedacht. Schatten ist schließlich ein großes Thema in Ländern wie Burkina Faso und selten da, wenn man ihn braucht.

Die Wände aus gestampften Lehmziegeln werden von einem umlaufenden Betonbalken gekrönt, der als Bindeglied zwischen dem Lehmbau und der Stahlkonstruktion fungiert. Das Pultdach hebt auf der sonnenabgewandten Seite leicht ab, so dass die warme Luft, die nach oben steigt, ungehindert entweichen kann, während die kühle Luft zirkuliert. Keine Klimaanlage kann so ein angenehmes Raumklima schaffen. Alleine der Temperaturschock beim Betreten und Verlassen der klimatisierter Gebäude wäre viel zu extrem.

Die Schulen von Kéré haben keine Fensterscheiben, keine Klimaanlage und auch kein fließendes Wasser. Der Brunnen auf dem Schulgelände ist die zentrale Anlaufstelle: hier holen die Frauen aus dem Dorf mehrmals am Tag Wasser, hier spielen die Kinder. Der Brunnen ist neben seiner eigentlichen Funktion vor allem eins: ein Ort der Kommunikation, er funktioniert besser als jede Post und jedes Telefon.

Von Gando nach Dano

Das zweite Schulprojekt von Francis Kéré liegt weiter westlich in Dano. Man kann hier den Unterschied zwischen der Bauweise von Kéré und der von normalen Bauten aus Beton erleben, da auf dem Schulgelände noch immer Gebäude aus der französischen Kolonialzeit vorhanden sind. Der neue Schulbau ist jedoch nicht wie in Gando aus Lehmsteinen, sondern aus Laterit-Steinen gebaut. Diese werden in der Region abgebaut und sind weitaus resistenter als Lehm. Auch das Dach sieht anders aus. Wie kleine Schiffe wölben sich die einzelnen Elemente in die Höhe. Doch das Raumklima-Konzept ist das gleiche. Eine natürliche Belüftung, der konsequente Verzicht auf Energieressourcen von außen und der gemeinsame Bauprozess sind ein ungeschriebenes Gesetz für Kéré: „Die Schüler bauen ihre Schule selbst und lernen dadurch. So werden meine Ideen weitergegeben und wir können die Bauzeit verkürzen.“ Denn das Dach muss stehen, bevor die Regenzeit beginnt.

„Architektur ist etwas, was die Menschen bewegt.“

Mittlerweile kommen viele zu ihm, und wollen auch so eine Schule wie die in Gando oder Dano. Es sind Pfarrer, Lehrer oder Entwicklungshelfer, aber auch Sponsoren aus Deutschland oder Österreich. „Architektur ist etwas, was die Menschen bewegt und ihre Neugierde weckt. Was sie zum Staunen bringt, wenn sie ein Gebäude betreten. Das Schöne an Afrika ist, dass Zeit keine Rolle spielt, und wenn eine Wand gerade ist, dann bewundern dich die Menschen. Wenn es dann noch innovativ aussieht, sind sie begeistert“, schwärmt Francis Kéré.

Kérés Team besteht aus einem gut geknüpften sozialen Netzwerk und aus engen Vertrauenspersonen – vor allem seinen drei Brüdern: zwei in Burkina und einer in Berlin, der die Kommunikation mit Burkina übernimmt, wenn er nicht da ist. „Sie müssen dann aber auch mitmachen und durchhalten, manchmal längere Zeit auf ihr Geld warten, wenn es keins gibt. Bis wieder etwas übrig bleibt und sie ihren Teil bekommen. Ich habe ein kompetentes Team.“ Kéré selbst ist über die Hälfte des Jahres in Burkina, versucht so viel wie möglich vor Ort zu klären und dabei zu sein.

„In Afrika mangelt es an Fachkräften, die Vorstellung von Architektur ist eine andere. Hier in Deutschland bist du dazu verdammt, Qualität zu liefern. Und dort … es gibt dort noch nicht einmal Architekturzeitschriften!“ Wahrscheinlich ist es genau das, was Francis Kéré antreibt. Stichworte wie „Entwicklungshilfe“ und „Hilfe zur Selbsthilfe“ sind das eine. Doch wie kann der Kontinent von seinen Kindern profitieren, die in afrikanischen Schulen lesen, schreiben und rechnen gelernt haben, um dann in Europa zu studieren, wenn sie nicht mit ihrem Wissen zurückkommen?

(erschienen am 5. Juni 2010 auf www.designlines.de)