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Monat: Februar, 2013

Fragile Stadtgesichter – Matthew Pictons Paper Cities

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Matthew Picton baut Papierstädte. Seine Modelle stellen jedoch nicht irgendwelche Städte dar, sondern vor allem solche, die einmal durch eine Katastrophe wie Überschwemmungen, Erdbeben oder Feuer verwüstet wurden. Den britischen Künstler fasziniert die Veränderung, die Verwandlung und vor allem: der Akt der Zerstörung. Abstrakt und dennoch akkurat gearbeitet, zeigen seine Modelle London im Jahr 1666, San Francisco 1936 und Dresden 1945 ­– ein Vorher und Nachher in Form fragiler Skulpturen, die Zeitgeschichte erzählen. Es sind bekannte Stadtgesichter; der Wiedererkennungseffekt ist dem englischen Künstler bei seiner Serie Papier Cities ebenso wichtig wie die Geschichte dahinter.

Matthew Picton liebt Landkarten. Schon in seinen füheren Arbeiten hat er sich intensiv mit Karten und Stadtgrundrissen beschäftigt. Doch bei seinen dreidimensionalen Linienzeichnungen fehlte ihm immer eine passende Darstellungsform für den Raum zwischen den bebauten Grundstücken. Er hatte vieles ausprobiert. „Papier funktioniert perfekt, um diesen Zwischenraum zu formen und zu gestalten“, sagt Picton. „Es ist ein wunderbar flexibles Medium, mit dem man auch gut Texte und Bilder einbinden kann. Der einzige Nachteil von Papier ist seine Fragilität. Deshalb stelle ich mit viel Aufwand kleine Unterkonstruktionen her und verwende speziellen Klebstoff sowie Tinte und Papier, die nicht ausbleichen.“ (…)

Mehr unter www.designlines.de/feel

Special zum Thema Papier auf www.designlines.de

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Junya Ishigami

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Er liebt Radiohead, erinnert mit seinem schwarzen, eng geschnittenen Jacket und dem extravaganten Kragen irgendwie an den King of Pop und schafft mit seinen weißen Modellen abstrakte Gedankengebäude. Junya Ishigami zählt zu denjenigen, die niemals erwachsen werden – dennoch dürfte er Architekturgeschichte schreiben. Auf seiner ewigen Suche nach einer neuen Realität bewegt sich der Japaner dabei außerhalb der Grenzen des Möglichen: Es sind Systeme ohne Hierarchie, leichte Tragstrukturen, die fast verschwinden, und Gebäude, die kein Innen und Außen haben. Ein Tisch ist für ihn ebenso Architektur wie ein Haus oder eine Brücke; grundlegend für seine Arbeiten ist der Bezug zwischen Architektur und Natur. „Für mich als Japaner sind natürliche Elemente immer auch artifiziell“, erklärt der 39-jährige, der 2010 auf der Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen geehrt wurde. „Es gibt keine echte Natur – selbst Wälder und Landschaften sind künstlich angelegt.“ Seine Lieblingspflanze ist Klee.

Im Antwerpener Kunstcampus deSingel ist gerade die Ausstellung „How Small? How Vast? How Architecture Grows“ zu sehen, die zum ersten Mal das Gesamtwerk von Ishigami nach Europa holt. 58 Projekte sind auf den schmalen Holzbrettchen, die weder Tisch noch Bank sind, drapiert. Modelle, Miniaturen, Zeichnungen und Aquarelle – Ishigami hat all seine Ideen und Entwürfe ordentlich aufgereiht und wie in einem Labor perfekt und steril inszeniert. Die Ausstellung selbst ist ein Kunstwerk: Die Modelle sind keine typischen Architekturmodelle, es sind geklebte und gefaltete Papierwälder und -landschaften, gebastelte Pflanzen, Wolkenstudien, Puppenstuben und Wohnhäuser, die ähnlich wie ein Bühnenbild gebaut sind und in dem schwarze Papierfiguren Szenen nachspielen, die ein wenig Aktion in die schönen Modelle bringen. Auf den acht schwebenden, sehr langen Tischen ist alles so leicht und fragil, dass man aus Angst, man könnte husten oder niesen, am liebsten die Luft anhalten möchte.

„Ich möchte das Innere eines Gebäudes so entwerfen, dass es sich wie ein Außenraum anfühlt“, sagt das japanische Wunderkind, das bis 2004 bei SANAA gearbeitet hat. Die extrem schmal dimensionierten Wände, Stützen und Decken entwickelt Ishigami zusammen mit dem Ingenieur Jun Sato. Bei seinem Debüt, dem Kanagawa Institute of Technology KAIT Workshop bei Tokio, sorgte er 2008 mit 63–90 Millimeter dünnen Stützen und einem unregelmäßigen Raster für Aufmerksamkeit. Ein fünf Meter hoher Stützenwald ermöglicht eine Auflösung jeglicher Wände – es entsteht ein Außen- im Innenraum, ein schwebendes Klassenzimmer. Die zehn Meter lange Tischplatte, die Junya Ishigami 2005 in einer Gallerie in Tokio installierte, wurde mit einem Querschnitt von nur 3 mm fast unsichtbar – ein Spiel aus Illusion und Wirklichkeit. „Ich möchte, dass die Konstruktion ein Rätsel wird“, erklärt Ishigami.

Auf Zehenspitzen schleichen die Besucher durch die Ausstellung. Am Ende der Retrospektive wartet in einem zweiten Raum ein runder Abschluss: Die Installation „Little Gardens“ zeigt eine Sammlung von winzigen Miniatur-Blumen, die wie Süßigkeiten wirken. Der runde weiße Tisch mit den drei dünnen Beinen scheint wie alles andere in der Ausstellung ebenfalls zu schweben – bei Junya Ishigami ist die Schwerkraft eben besonders gering.  „Everything is always changing everytime“, flüstert der japanische Architekt als Antwort auf die Frage, was für ihn Nachhaltigkeit ist; eine Zeile, die auch Thom Yorke singen könnte. „We always want to try change situations before they change.“ Man kann viel von ihm lernen. (Jeanette Kunsmann)

erschienen in der Baunetzwoche#308 Junya Ishigami

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Die Austtellung Junya Ishigami. How Small? How Vast? How Architecture Grows ist noch bis zum 16. Juni 2013 im deSingel Internationale Kunstcampus, Desguinlei 25, B-2018 Antwerpen zu sehen.

www.desingel.be

DRUOT LACATON VASSAL

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Ich frage mich nicht, wie die Zukunft sein wird. Warum zwanzig Jahre weiter denken? Die Zukunft ist jetzt! Ich denke, gerade ist es für Architekten sehr wichtig, über Wirtschaftlichkeit nachzudenken. Wie produziere ich mehr für weniger? Mehr Raum zu generieren – viele Menschen leben in engsten Verhältnissen – ist aber keine Frage des Budgets! Wir müssen umdenken.“

Ein Gespräch mit Anne Lacaton im BauNetz

>>> Noch bis zum 31. März 2013: Ausstellung zum Projekt Tour Bois le Prêtre im DAZ in Berlin

www.lacatonvassal.com

Abtauchen in Mitte: Das Flussbad Berlin

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Der Spreekanal zwischen Schlossplatz und Bodemuseum: Eines der größten innerstädtischen Areale der Hauptstadt ist bis heute vollkommen ungenutzt. Direkt an der Museumsinsel wollen wir dieses Teilstück der Spree als Schwimmbecken neu erfinden. Damit gäbe es in Berlin in naher Zukunft eines der größten und schönsten Schwimmbecken der Welt: 750 Meter lang – und in der Mitte der historischen Altstadt.
Das klingt irre und es ist völlig ernst gemeint. Es geht um nichts weniger, als darum, einen vollständigen Flussarm der Spree umzunutzen. Zu einem Ort an dem sich sowohl die Natur, als auch die Menschen erholen können. Hintereinander aufgereiht entstehen ein Biotop, eine Pflanzenklärbecken zur Reinigung des durchfließenden Flusswassers und schließlich der Beckenbereich – vom Schlossplatz, vorbei am Lustgarten, bis hinunter zum Bodemuseum.

 

www.flussbad-berlin.de

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Playboy Architecture

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Was machen Mies van der Rohe, Frank Lloyd Wright, Buckminster Fuller, John Lautner und Albert Speer zwischen ausklappbaren Fotos barbusiger Playmates? Man kann es sich vielleicht nur schwer vorstellen, aber zu Beginn war der Playboy ein Männermagazin mit durchaus intellektuellem Anspruch. Weniger nackte Haut, sondern vor allem Literatur, Lifestyle, Design und Architektur sind in den Heften zu finden – nicht zu vergessen die langen Editorials des Herausgebers. Der Playboy: ein Kulturbote? Hugh Hefners legendäres Magazin habe vor allem in der Architektur maßgeblich zur Verbreitung der Moderne beigetragen, so die These des Kuratoren-Teams der Princeton School of Architecture um Beatriz Colomina. Vergangenen Samstag ist im NAiM/ Bureau Europa in Maastricht zu diesem Thema eine Ausstellung zu Ende gegangen, die man gesehen haben sollte. Die Exponate, Playboy-Hefte aus den Jahren 1950 bis 1970, sind bereits in Kisten verpackt, auch Möbelstücke wie das „Playboy Bed“ und Modelle wie das „Playboy Town House“ werden eingelagert. Drei Gründe, warum „Playboy Architecture 1953–1979“ bald weiterziehen sollte…

Artikel erschienen in der  Baunetzwoche#307

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