jtkn

Monat: April, 2013

Grenzgänger

„Man muss nicht Architekt werden, nur weil man Architektur studiert hat.“ Recht hat er. Simon Menges etabliert sich gerade in einer Szene, die nicht limitierter sein könnte: Er fotografiert. Gebäude für Architekten wie David Chipperfield, EM2N und Zanderroth Architekten. Der 28-Jährige hat eine eigene, anspruchsvolle Bildsprache entwickelt, mit der er sich einen Namen gemacht hat. Überraschend: In einer Zeit, in der immer alles schneller wird, arbeitet er analog. Wartet auf das richtige Licht, sucht die perfekte Einstellung und wählt den fotografierten Ausschnitt so, dass jedes Bild die gewünschte Aussage transportiert. Das erfordert viel Arbeit – und großen Mut. (…)

 

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www.baunetz.de/woche

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Henry van de Velde

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(erschienen am 19. April 2013 im BauNetz)

Lernen von Japan: Schlichtheit in Fernost

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Immer wieder widmen Fachmagazine dem Thema „Japan“ ganze Ausgaben. Zahlreiche Ausstellungen bringen die fragilen Modelle und zarten Zeichnungen nach Europa. Und internationale Architekturblogs überschlagen sich sogar fast täglich mit den verlockenden Projekt­fotos aus dem Land der aufgehenden Sonne. Die experimentellsten Wohnhäuser werden in Japan gebaut, vor allem im Großraum Tokio. Was aber fasziniert uns eigentlich so sehr und immer wieder aufs Neue an der japanischen Architektur? Sind es die schneeweißen, streng geometrisch geformten Bauten, die schlichten Räume, die immer leer und aufgeräumt sind, die häufig fließenden Grundrisse oder die papierdünnen Wände? Ist es der hiesige Überdruss an raumverschwenderischem Luxus, an computergenerierten Visualisierungen oder parametrisch gestalteten und komplex berechneten Architekturen? Sind es die manchmal winzigen Flächen, oder ist es der andersartige, für uns ungewohnte Gebrauch?

In Europa wird die japanische Architektur oft als schillerndes Kaleidoskop einfacher Experimentalbauten wahrgenommen und dabei schnell auf wenige Eigenschaften reduziert. Die Generation junger Architekten in Japan bediene sich einer subtilen Formensprache und einer auffallend asketischen Reduktion, die eine klare, ja manchmal sogar steril wirkende Reinheit in den Räumen schaffe, heißt es in vielen Architekturkritiken. Weiß, aufgeräumt und bescheiden – der europäische Blick auf die Architektur in Japan und insbesondere in Tokio ist stark von Klischees geprägt. Denn lange waren Gebäude in Japan eher dunkel als hell. Strahlend weiß, wie wir sie heute kennen, wurden sie erst durch europäische Einflüsse. Erst seit Mitte der Neunzigerjahre lässt sich in Japan beobachten, dass die Architektur aus dem Dunkeln tritt – es begann mit den hellgrauen Sichtbetonbauten von Tadao Ando. Was wir als genuin japanisch ansehen, sehen manche Japaner als späten Ästhetik-Import des Bauhauses und anderer westlicher Strömungen.

Das Bauhaus wiederum verarbeitete auch japanische Impulse. Bruno Taut schrieb 1933 auf seiner Japanreise: „Als die moderne Architektur das Licht der Welt erblickte, also in den Jahren um 1920, war es der einfache und völlig freie japanische Wohnraum mit seinen großen Fenstern, den Wandschränken und der völligen Reinheit seiner Konstruktion, der den stärksten Anstoß zur Vereinfachung des europäischen Wohnraums gab.“ Taut entdeckte im alten japanischen Wohnhaus Prinzipien der modernen europäischen Baukunst: Einfachheit, Sachlichkeit und konstruktive Klarheit. Auch Gropius zeigte sich später fasziniert von dem Land. Ästhetisch ist es also ein Wechselspiel, kein einseitiger Einfluss Japans auf Europa. Manchmal mag hiesige Begeisterung für schlichte weiße Kuben in Japan sogar ihren Grund darin haben, dass diese Häuser an unsere Moderne-Tradition erinnern. Mehr

(Jeanette Kunsmann, erschienen im Deutschen Architektenblatt)

Schreckliche Berufe#1: Der Makler

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Herr F. hat sie in der Hand, die Schlüssel zum Glück. Oft kommt er fünf Minuten zu spät, dann muss er nicht warten und auch nicht allen Interessenten umständlich die Tür aufhalten. Er grüßt kurz in die Runde, schließt dabei die Haustür auf, geht schnellen Schrittes voran und verteilt die Bewerbungsbögen in der Küche. Manchmal ist er auch aber schon etwas eher da – dann, wenn er sich selbst vorher noch mal ein Bild machen will.

Immobilienmakler: das ist einer dieser Berufe, die von vielen als unehrenhafte Tätigkeit gesehen werden – so, wie es mal der Zöllner war. Dabei ist es doch ein wichtiger Job, Wohnungen zu vermitteln. Der Ärger beginnt mit den Provisionen: Äquivalent zu den hohen Mieten ist die Makler-Courtage ebenfalls enorm gestiegen – da genügt es häufig nicht mehr, den Sommerurlaub zu streichen. Doch vielleicht wurde einfach nur die Rollentverteilung missverstanden: Müsste nicht eigentlich der Vermieter, und nicht der Mieter den Makler bezahlen?

Und dann dieses Maklerdeutsch, eine Sprache mit eigenen Codes: hinter „Gartennutzung“ verstecken sich dunkle Wohnungen im  Erdgeschoss, ein „charmanter Altbau“ kann eine Bruchbude sein,  „ruhige Lage“ heißt ab vom Schuss, „verkehrsgünstig gelegen“ ist meistens irre laut und „neuer Holzboden“ meint Laminat. Die Tricks sind bekannt, trotzdem mag es niemand, angelogen zu werden.

Die Wohnung, die Herr F. heute zeigt, ist gar nicht mal so schlecht, aber doch etwas zu klein. Der Makler scheint gut gelaunt und beantwortet bereitwillig ein paar Fragen:

Makler in Berlin, ein Traumjob? Immerhin werden auffallend mehr Provisionen in Rechnung gestellt.
Ja, man merkt da einen deutlichen Anstieg. Viele Hausverwaltungen wollen sich nicht mehr um die Vermittlung ihrer Wohnungen kümmern, diese Sonntagsbesichtigungen sind ja auch nicht besonders familienfreundlich. Und im Anzeigen erstellen: Da sind wir Makler einfach besser.

Wie kann man eine schlechte Wohnung gut anpreisen? Verraten Sie uns ein Beispiel?
Ach, da gibt es so einige Möglichkeiten. Für die dunkle Wohnung im Erdgeschoss zeigt man in der Anzeige Fotos von der Wohnung drei Etagen höher und bei renovierungsbedürftigen Wohnungen erlässt der Vermieter ein paar Kaltmieten. Unglaublich, dass sich heute immer noch genügend Freiwillige finden, die gerne Dielenböden abschleifen wollen.

Warum ist der Wohnungsmarkt in Berlin so unentspannt?
Finden Sie? Ich denke eher, die Berliner sind unentspannt. Vor zehn Jahren gab es noch nicht so hohe Ansprüche, da wollten man vor allem günstig wohnen und hat dafür auch die Ofenheizung in Kauf genommen. Heute wollen alle in den einschlägigen Bezirken wohnen und nicht am idyllischen Stadtrand, dabei sind die Verkehrsanbindungen doch gut ausgebaut. Die Leute wollen Luxus, sind aber nicht bereit dafür zu bezahlen.

Wie wohnen Sie denn?
Oh, ich habe das Glück, dass ich das Haus meiner Eltern geerbt habe – das ist sehr schön und gemütlich, aber natürlich etwas außerhalb gelegen. Ich mag die Ruhe in meinem Garten, in Kreuzberg oder Mitte würde ich niemals wohnen wollen. Für mich ist es ja egal, wo ich in Berlin wohne, da ich immer einen anderen Weg zur Arbeit habe und sowieso den Hauptteil meiner Arbeitszeit mit dem Auto unterwegs bin.

Sind Sie bestechlich?
Nee, muss ich auch gar nicht. Ich verdiene ja ganz gut, Tendenz steigend.
(Er grinst) Und, wie finden Sie die Wohnung?

(Das fiktive Gespräch fand im Frühling 2013 während einer Wohnungsbesichtigung in Berlin statt.)

Der Barcelona-Pavillon: Ausstellungsraum zwischen Wohn- & Konstruktionsmodell

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Der Barcelona-Pavillon – die gefeierte Architektur des 20. Jahrhunderts, das Schlüsselprojekt der Moderne – weckte zu seiner Entstehungszeit nur geringes Interesse. Knapp sieben Monate stand er während der Weltausstellung 1929 in Barcelona – und wurde übersehen. Nur wenige verirrten sich in den modernen Glaskasten, die meisten nahmen ihn gar nicht erst wahr. Direkt nach dem Ende der Ausstellung wurde er abgebaut und seine wertvollen Baumaterialien nach Deutschland zurückgebracht. Lediglich die Fotos des Pavillons, die Mies sorgfältig ausgewählt hatte, überdauerten die Zeit. Sie machten ihn in den fünfziger Jahren – in der Folge der großen Mies-Ausstellung im MoMA 1947 – populär. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte entwickelte sich eine so große Sehnsucht, dass man den Pavillon 1986, in dem Jahr, in dem Ludwig Mies van der Rohe seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, in Barcelona rekonstruieren ließ. Die Architekturtheoretikerin Beatriz Colomina beschreibt die Schwierigkeit dieser Rekonstruktion (durch die Architekten Ignasi de Solà-Morales, Christian Circi und Fernando Ramos) vor dem Hintergrund, dass die Pläne des Gebäudes oft gar nicht mit den Fotos, die man von ihm hatte, übereinstimmen. Zudem war Mies – Barry Bergdoll zufolge – zur Bauzeit des Barcelona-Pavillons mit der Technik des Stahlbaus noch kaum vertraut, sondern eignete sich dieses Wissen erst in den USA mit Besuchen bei der Stahlindustrie an. Zu den Interpretationen im Diskurs um den Barcelona-Pavillon – als Raum, der lediglich Architektur ausstellt oder als Modellarchitektur für ein Wohnhaus (Colomina) – gesellt sich nun also auch die Frage, ob es sich hier nicht auch um ein Modell für die Konstruktionstechnik des Stahlbaus handelt. Enttäuschend: In seinem städtischen Kontext geht der Pavillon unter. Darf oder sollte man, wenn man ein so bedeutendes Gebäude rekonstruiert, sich dann nicht einen geeigneteren Standort suchen? (jtkn)