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Monat: Juli, 2013

Kantine im Kubus

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Sieht japanisch aus, ist es aber nicht. Dieser Sichtbeton-Kubus steht nicht in Tokio, sondern versteckt in einem schmalen Berliner Hinterhof. Gebaut wurde er von David Chipperfield Architects – für David Chipperfield Architects. Der Berliner Bürostandort hat 2012 für seine Kantine an der Joachimstraße einen dezenten, knapp 300 Quadratmeter großen Neubau realisiert. Seit dem Frühjahr können sich hier nun Mitarbeiter und Freunde des Hauses zum Mittagstisch treffen.

Die zweigeschossige Kantine ist einer von insgesamt vier Erweiterungsbauten, die von den Architekten in den Gewerbehof gesetzt wurden. Alle Neubauten haben eine einheitliche Fassade aus Sichtbeton, die durch große, raumhohe Schiebefenster gebrochen wird. Durch die reduzierte, monolithische Erscheinung vermitteln die schlichten Betonkuben zwischen den benachbarten Gründerzeitwohnhäusern und den für Berlin-Mitte typischen Plattenbauten; durch ihre Anordnung wurde das gesamte Grundstück umstrukturiert.

Wie ein Puzzlestück fügt sich der erste Kubus, ein Wohnhaus mit Showroom, zwischen seine Nachbarbauten und schließt die zuvor offene Straßenfront. Der dahinterstehende Solitär für die Kantine ersetzt die alte Remise, in der auch zuvor schon zu Mittag gegessen wurde. Dieser bildet zusammen mit dem dritten Neubau, der direkt an den ehemaligen Gewerbebau anschließt, zwei zueinander versetzt angeordnete Innenhöfe. Durch eine schmale Durchfahrt gelangt man in den dritten, abgelegenen Hof: Dort befindet sich ein kleiner Garten sowie ein weiterer Büroanbau – still ist es hier, vom quirligen Berlin-Mitte nimmt man kaum noch etwas wahr.

Ähnlich wie die alte Kantine hat auch der Neubau hohe Wände und Decken. Ein zehn Meter langer Tresen aus Marmor teilt das offene Erdgeschoss der neuen Kantine in Küche und Speisebereich – man darf den Köchen also in die Töpfe gucken. Auf der gegenüberliegenden Längsseite sind Sitzbänke und Tische angeordnet; weitere Tische befinden sich im oberen Geschoss.  Eine Referenz aus Japan verbirgt sich schließlich doch noch in der neuen Kantine. Die dezenten Stühle und Barhocker aus Holz von dem japanischen Möbelhersteller Maruni bringen Gemütlichkeit in den Betonkubus; sie wurden von Jasper Morrison entworfen. Tische, Bänke und der Tresen stammen von den Architekten.

(Artikel erschienen am 8. Juli 2013 im BauNetz/Fotos: Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects)

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Paris in Berlin

Wie stellt man Architektur aus? Diese Frage beschäftigt Kuratoren stets auf Neue bei Ausstellungen in Museen, Galerien und Biennalen. Im Gegensatz zur Kunst lässt sich im Architekturbereich das eigentliche Exponat nur schwer ausstellen, lediglich dokumentieren; einzige Ausnahme bilden vielleicht die Pavillonbauten der Weltausstellungen.

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erschienen in ARCH+ 211/212: Think Global, Build Social!

Diogene unterm Satteldach: Minihaus von Renzo Piano in Weil am Rhein

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Der Vitra-Campus in Weil am Rhein wächst. 2013 wurde nicht nur die Produktionshalle von SANAA in Betrieb genommen, im Juni ist noch ein kleines Haus von Renzo Piano auf dem Firmengelände hinzugekommen. „Diogene“ heißt das Minihaus, das keine Notunterkunft, sondern Rückzugsort sein will; am Mittwoch wurde es in Anwesenheit von Piano eröffnet.

Ist die SANAA-Halle mit 20.000 Quadratmeter eines der größten Gebäude auf dem Campus, präsentiert sich Diogene mit seinen fünf Quadratmetern eindeutig als kleinstes Bauprojekt und gleichzeitig als größtes Designprodukt von Vitra. Den Ansatz, Architektur aus Design heraus zu entwickeln, hat Renzo Piano von Jean Prouvé übernommen. Schon lange hat er an dem Minimalhaus gearbeitet – bereits vor drei Jahren veröffentlichte er seine Vision zum ersten Mal. Durch die  Zusammenarbeit mit Rolf Fehlbaum konnte das Projekt realisiert werden.

Das Satteldachhaus auf dem Hügel hinter dem Dome von Buckminster Fuller ist eine autarke, möblierte Wohnzelle: Bettsofa, Klapptisch mit Blick aus dem Fenster, Dusche und WC sowie eine kleine Küche sind in dem hölzernen Satteldachhaus untergebracht – alles ganz einfach, aber technisch hochkomplex ausgeführt.

Renzo Piano zeigt mit Diogene, wie man das Thema Wohnen auf das Nötigste reduzieren kann. Die Sehnsucht nach Bedürfnislosigkeit führte den italienischen Architekten auch zu seinem Projekttitel – das Haus ist nach dem griechischen Philosophen Diogenes benannt, der in einer Tonne (oder einem Fass) gelebt haben soll: Minimalismus als Lebensphilosphie, nichts soll ablenken, alles ist pur. Piano versteht sein Projekt als „ziemlich romantisch“ und unterstreicht den Aspekt der „spirituellen Ruhe“, den es vermittelt: „Diogene versorgt einen mit dem, was man wirklich benötigt, und mit nichts sonst.“

Noch ist das Haus ein Prototyp, der von den Besuchern erprobt werden soll. Wie das Projekt weiter entwickelt wird und ob es in die Serienfertigung geht, steht noch nicht fest. Wer Interesse hat: Die einfache Version wird 20.000 Euro, die Luxusvariante 50.000 Euro kosten.

(Artikel erschienen in den BauNetz-Meldungen am 14. Juni 2013)

When Attitudes Become Form: Über die Rekonstruktion einer Ausstellung

Das Prinzip Wanderausstellung ist ein bewährter Austausch zwischen einzelnen Kulturinstitutionen. Aber lässt sich eine Kunstausstellung nach 44 Jahren rekonstruieren und noch einmal zeigen? Germano Celant, Thomas Demand und Rem Koolhaas haben es versucht.

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Mehr unter www.baunetz.de/woche

und auf Englisch unter: www.uncubemagazine.com

Verwirrung in den Giardini – Die 55. Kunstbiennale in Venedig

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Die 55. Kunstbiennale von Venedig zeigt sich ambitioniert: Nicht weniger als einen „enzyklopädischen Palast“ verspricht der Kurator Massimiliano Gioni. Und sonst? Deutschland und Frankreich haben die Häuser getauscht, die neuen Pavillons bringen reichlich Schwung in die von Traditionen geprägte Kunstschau, und Alfredo Jaar lässt die Giardini auf- und untergehen

Mehr unter www.baunetz.de/woche

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