jtkn

Kategorie: Kultur

Venedig: Drei Tage Kunstbiennale

DSC_0095

2013-05-30-18.55-01

Layout 1

Foto

DSC_0015

Alle Artikel unter: www.baunetz.de/Kunstbiennale_Venedig_2013

Advertisements

Wer berühmt ist, gehört sich nicht mehr selbst. Über den Dokumentarfilm Haus Tugendhat

haus-tugendhat_stills_100_moebelkopie

Es sollte ein kleines Haus mit fünf Zimmer werden. Als Fritz und Grete Tugendhat den Architekten Ludwig Mies van der Rohe 1928/29 mit dem Entwurf für ein Wohnhaus im tschechischen Brünn beauftragten, ahnten sie, worauf sie sich einlassen, und hatten dennoch keine Vorstellung, was sie erwarten würde.

Der Architekt, der im selben Jahr den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Barcelona gebaut hatte, überraschte das jüdische Unternehmer-Ehepaar mit einem modernen, leichten und schwerelosen Gebäude, in dem die Kinder nicht niesen wollten, aus Angst, es breche sonst zusammen. „Versenkbare Glaswände, pathetische Räume und vor allem diese Noblesse“, schwärmt Ruth Guggenheim-Tugendhat in ihren Kindheitserinnerungen. „Schon damals wusste jeder, dass dieses Haus besonders war.“

Ruth Guggenheim-Tugendhat ist eine von vielen Stimmen, die in dem Dokumentarfilm „Haus Tugendhat“ zu Wort kommen. Regisseur Dieter Reifarth verwebt darin geschickt die Biographie des beeindruckenden Bauwerks mit dem Portrait einer Großfamilie voll an persönlichen Schicksalen. Auch die einflussreichen Tugendhats wurden von den Nationalsozialisten verfolgt und mussten von Tschechien über die Schweiz nach Venezuela fliehen.

Eine Zeit lang blieb ihr schönes Haus, dass die gesamte Familie so geliebt hatten, unbewohnt – es folgt eine abwechslungsreiche Nutzergeschichte. Die deutsche Familie Messerschmidt mietete die Villa Tugendhat für 1.300 Reichsmark und machte es sich dort gemütlich: Eine biedere Bauernstube in der großen Halle war nur eine von mehreren Bemühungen, sich in dem modernen Wohnhaus einzurichten. In den ersten Nachkriegsjahren diente das Haus als private Ballettschule, später dann, von den 1950er bis 80er Jahren wurde es als Therapiezentrum für wirbelsäulengeschädigte Kinder genutzt. Erst seit 2012 ist die Villa Tugendhat saniert und wieder für Besucher zugänglich – für die lebenden Mitglieder der Familie Tugendhat war dies ein mühsamer und langer Kampf. „Wer berühmt ist, gehört sich nicht mehr selbst“ – dies trifft nicht nur auf bekannte Persönlichkeiten, sondern eben auch auf Ikonen der Baugeschichte zu.

Reifarth fügt all diese unterschiedlichen Geschichten, die in der Villa beginnen, diese streifen oder hier enden, zu einem spannenden und facettenreichen Film zusammen. Gespräche mit den noch lebenden Familienmitgliedern und ihren Enkeln sowie den einstigen Benutzern des Hauses, Kunsthistorikern und Restauratoren spannen einen großen Bogen auf; historische Foto- und Filmaufnahmen des Gebäudes werden durch Familienfotos ergänzt und lassen die Villa lebendig werden.

Die Frage, ob man in der Villa wohnen kann, zieht sich durch den gesamten Film und wird mit diesen Fragmenten subtil beantwortet. Spielende Kinder im Garten, eine glückliche Familie auf dem Mies-Sofa oder turnende Mädchen vor der Onyxwand sind stille, schöne Momente in der Biographie dieses Bauwerks. Ergänzt durch die Perspektive der Kunsthistoriker und Denkmalpfleger ist so ein kluger Film entstanden, der weit mehr Themen anspricht, als die Geschichte der Familie Tugendhat und ihrer berühmten Villa.

Der Film „Haus Tugendhat“ will dabei nicht mehr sein, als er ist: eine Dokumentation. Gerade deshalb ist er so gelungen, weil Reifarth es schafft, mit sanften Tönen, leisen Bildern und einem unaufgeregten Tenor ein so großes Spektrum zu eröffnen: Mit Architektur fängt es an, doch spiegeln sich hier alle Aspekte das Leben. (Jeanette Kunsmann)

erschienen am 23. Mai 2013 auf www.baunetz.de

Haus Tugendhat

Buch, Regie und Schnitt: Dieter Reifarth
Kamera: Rainer Komers, Kurt Weber
Pandora Film, 2013

tugendhat.pandorafilm.de

(Foto: © strandfilm, Pandora Film Verleih)

Henry van de Velde

Bildschirmfoto 2013-04-19 um 17.20.39

Bildschirmfoto 2013-04-19 um 17.20.46

Bildschirmfoto 2013-04-19 um 17.20.56

Bildschirmfoto 2013-04-19 um 17.23.03

Bildschirmfoto 2013-04-19 um 17.21.15


(erschienen am 19. April 2013 im BauNetz)

Wer nicht artig ist, kommt ins Bauhaus!

523_10151119947387116_451245921_n(1)

Das Bauhaus und seine Weltkulturerbestätten in Weimar und Dessau
von Luise Rellensmann und Jeanette Kunsmann
veröffentlicht in: UNESCO Weltkulturerbe. Eine Deutschlandreise

So manche Professoren werden sich in Weimar schon ordentlich die Knie gestoßen haben. Zumindest solche, die die Gropius-Professur der Bauhaus Universität innehaten: Ihr Büro ist das Direktorenzimmer des Bauhaus-Gründers. Der massive Schreibtisch und der kantige Stuhl von Walter Gropius sind speziell an dessen Körpergröße angepasst – gerade einmal 1,50 Meter maß der „Giftzwerg“, wie er hinter seinem Rücken oft genannt wurde. Hier in dem kleinen Raum im zweiten Stock saß Gropius und empfing in der gelben Sofa-Ecke seine Studenten, die später die Bauhaus-Lehren von Chicago bis Tel Aviv verbreiten sollten.

Weimar gilt als die Wiege der Bauhaus-Schule, die in Dessau groß wurde und 1933 von Berlin aus die ganze Welt eroberte. In der Klassik-Stadt symbolisiert Henry van de Veldes Kunstgewerbeschule den Aufbruch in die Moderne; die eigentliche Ikone des Bauhauses findet man aber in Dessau: In der einstigen Industrie- und Arbeiterstadt ließ Gropius 1925/26 den Flügelbau mit der berühmten Vorhangfassade errichten. Seit 1996 stehen die Hinterlassenschaften des Bauhauses in Weimar und Dessau unter dem Schutz des Weltkulturerbes und haben sich in den letzten Jahren als beliebtes Ausflugsziel etabliert. Spätestens seit dem Jubiläumsjahr 2009 boomt der Denkmal-Tourismus. Heute profitieren beide Städte von dem Erbe der Baushäusler, die der Bevölkerung in Dessau und Weimar früher ein Dorn im Auge waren.

„Das Bauhaus stinkt“ hieß es etwa in Weimar, wo Spaziergänger den glatzköpfigen Bauhaus-Guru Johannes Itten und seine Schüler im Ilmpark beobachten konnten. Aufgrund der vegetarisch-würzigen Ernährung umwehte die Gruppe stets eine Knoblauchfahne, wenn sie nackt mitten im Park ihre Atemübungen zelebrierte. Ungezogene Kinder wurden damals ermahnt: „Wer nicht artig ist, kommt ins Bauhaus!“

Auch in Dessau stieß die Gropius-Schule auf Unverständnis. Auf der grünen Wiese errichtet, musste das Bauhausgebäude für viele Zeitgenossen wie ein Ufo gewirkt haben. Die Meisterhäuser waren als Musterhäuser für modernes Wohnen dem Zeitgeist um Längen voraus – unter Laien galten sie als kalt und ungemütlich. Selbst Bauhausmeister Wassily Kandinsky, der die modernen Räume mit Jugendstil-Möbeln schmückte, geriet darüber mit Gropius immer wieder in heftige Diskussionen.

Heute sind es vor allem die schlichten Gebäude wie die Meisterhäuser, die Besucher in die schrumpfende Stadt im Osten Deutschlands locken. Das frisch sanierte Ensemble der „Hochschule für Gestaltung“ ist seit 1994 Sitz der Stiftung Bauhaus Dessau und bietet Touristen in Gebäudeführungen die Möglichkeit, in die denkmalgeschützten Räume einen Blick zu werfen. Große Glasfronten, Vorhangfassaden, Einbauküche und Schiebetüren – die Modernität des fast 90 Jahre alten Campus beeindruckt. Mit etwas Phantasie kann man sich das Campusleben der rund 200 Studenten vorstellen, die in den Jahren von 1925-1931 in den für die damalige Zeit komfortablen Balkonzimmern wohnten und ihr Feierabend-Bier am liebsten auf der eigens für sie angelegten Dachterrasse genossen. Ein kleiner Aufzug auf das Flachdach, erleichterte den Studentenalltag: Er hat die exakte Größe einer Kiste Bier.

Leider dürfen die Welterbe-Besucher weder Dach noch Balkone betreten. „Die Brüstungshöhe entspricht nicht mehr der heutigen DIN-Norm, sie ist 20 Zentimeter zu niedrig“, heißt es in der Führung. Sandalenbestückte Füße in weißen Socken huschen über den Linoleumboden, fotografieren darf man nur mit besonderer Genehmigung. Das Bauhaus in Dessau ist ein Museum, eine Puppenstube, ein konserviertes Denkmal; für Lebendigkeit sorgen an schönen Sommertagen die munteren Ausflügler auf den wenigen Bierbänken vor dem Eingang des Hauptflügels.

Die Bauhaus-Uni in Weimar hingegen steht nicht nur den Studenten Tag und Nacht offen. Während im Innenhof gegrillt wird, arbeiten angehende Architekten in den legendären Atelierräumen noch an ihren Entwürfen, woanders findet ein Symposium statt. Seitdem die Bauhaus-Uni 2011 als internationale Hochschule gekürt wurde, kann sie sich vor Bewerbungen aus dem Ausland kaum retten. Für interessierte Besucher bietet die Uni den Bauhaus-Spaziergang an, er führt auch in das (zu Teilen) rekonstruierte Direktorenzimmer. Eine rote Kordel trennt staunende Besucher von der Komposition des Bauhaus-Meisters: ein kubisches Sofa in sattem Gelb steht auf einem kunstvoll-gemusterten Teppich,  in Metallstangen eingelassene Leuchtröhren scheinen wie Moleküle zwischen den hohen stoffbezogenen Raumwänden zu schweben. „Die Möbel dienen als Ergänzung des streng geometrischen Raumkonzepts“, erklärt Jonathan Schmidt, Architekturstudent im zweiten Semester. Mit Begeisterung erzählt er vom Bauhaus, hat stets ein paar Anekdoten parat und führt die Besucher nicht nur über seinen Campus, sondern auch zum Haus am Horn. Das erste Musterhaus der Bauhaus-Schule, 1923 nach einem Entwurf von dem Maler Georg Muche gebaut, ist der Vorgänger der Meisterhäuser in Dessau. Es sollte Teil einer Wohnsiedlung unweit von Goethes Gartenhaus werden, blieb jedoch in den Nachkriegsjahren und selbst nach der Wende nur aufgrund des akuten Wohnungsmangels vom Abriss verschont.

In Weimar weht nicht nur der Geist von Schiller und Goethe durch die Straßen, auch der „Spirit der Bauhäusler“ ist zu spüren und inspiriert die Studenten noch heute. Sie wollen das Erbe weiterleben und weiterdenken, anstatt musealisiert zu werden. Das zumindest ist die Botschaft, die Campus-Besucher dieser Tage empfängt. „Bad Weimar. Kurortsteil Museumsstadt Weimar “ steht auf einem gelben Ortsschild, das Studierende auf dem Vorplatz des Van-der-Velde-Baus aufgestellt haben. Ein weiteres Graffiti bringt den nötigen Umgang mit gelebten Welterbebauten auf den Punkt: Auf dem betonierten Platz vor dem Haupteingang ist in knallgelb zu lesen: „Tradition heißt die Glut zu schüren, nicht mit der Asche zu schmücken!“

Junya Ishigami

Bildschirmfoto 2013-02-22 um 16.06.23

Er liebt Radiohead, erinnert mit seinem schwarzen, eng geschnittenen Jacket und dem extravaganten Kragen irgendwie an den King of Pop und schafft mit seinen weißen Modellen abstrakte Gedankengebäude. Junya Ishigami zählt zu denjenigen, die niemals erwachsen werden – dennoch dürfte er Architekturgeschichte schreiben. Auf seiner ewigen Suche nach einer neuen Realität bewegt sich der Japaner dabei außerhalb der Grenzen des Möglichen: Es sind Systeme ohne Hierarchie, leichte Tragstrukturen, die fast verschwinden, und Gebäude, die kein Innen und Außen haben. Ein Tisch ist für ihn ebenso Architektur wie ein Haus oder eine Brücke; grundlegend für seine Arbeiten ist der Bezug zwischen Architektur und Natur. „Für mich als Japaner sind natürliche Elemente immer auch artifiziell“, erklärt der 39-jährige, der 2010 auf der Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen geehrt wurde. „Es gibt keine echte Natur – selbst Wälder und Landschaften sind künstlich angelegt.“ Seine Lieblingspflanze ist Klee.

Im Antwerpener Kunstcampus deSingel ist gerade die Ausstellung „How Small? How Vast? How Architecture Grows“ zu sehen, die zum ersten Mal das Gesamtwerk von Ishigami nach Europa holt. 58 Projekte sind auf den schmalen Holzbrettchen, die weder Tisch noch Bank sind, drapiert. Modelle, Miniaturen, Zeichnungen und Aquarelle – Ishigami hat all seine Ideen und Entwürfe ordentlich aufgereiht und wie in einem Labor perfekt und steril inszeniert. Die Ausstellung selbst ist ein Kunstwerk: Die Modelle sind keine typischen Architekturmodelle, es sind geklebte und gefaltete Papierwälder und -landschaften, gebastelte Pflanzen, Wolkenstudien, Puppenstuben und Wohnhäuser, die ähnlich wie ein Bühnenbild gebaut sind und in dem schwarze Papierfiguren Szenen nachspielen, die ein wenig Aktion in die schönen Modelle bringen. Auf den acht schwebenden, sehr langen Tischen ist alles so leicht und fragil, dass man aus Angst, man könnte husten oder niesen, am liebsten die Luft anhalten möchte.

„Ich möchte das Innere eines Gebäudes so entwerfen, dass es sich wie ein Außenraum anfühlt“, sagt das japanische Wunderkind, das bis 2004 bei SANAA gearbeitet hat. Die extrem schmal dimensionierten Wände, Stützen und Decken entwickelt Ishigami zusammen mit dem Ingenieur Jun Sato. Bei seinem Debüt, dem Kanagawa Institute of Technology KAIT Workshop bei Tokio, sorgte er 2008 mit 63–90 Millimeter dünnen Stützen und einem unregelmäßigen Raster für Aufmerksamkeit. Ein fünf Meter hoher Stützenwald ermöglicht eine Auflösung jeglicher Wände – es entsteht ein Außen- im Innenraum, ein schwebendes Klassenzimmer. Die zehn Meter lange Tischplatte, die Junya Ishigami 2005 in einer Gallerie in Tokio installierte, wurde mit einem Querschnitt von nur 3 mm fast unsichtbar – ein Spiel aus Illusion und Wirklichkeit. „Ich möchte, dass die Konstruktion ein Rätsel wird“, erklärt Ishigami.

Auf Zehenspitzen schleichen die Besucher durch die Ausstellung. Am Ende der Retrospektive wartet in einem zweiten Raum ein runder Abschluss: Die Installation „Little Gardens“ zeigt eine Sammlung von winzigen Miniatur-Blumen, die wie Süßigkeiten wirken. Der runde weiße Tisch mit den drei dünnen Beinen scheint wie alles andere in der Ausstellung ebenfalls zu schweben – bei Junya Ishigami ist die Schwerkraft eben besonders gering.  „Everything is always changing everytime“, flüstert der japanische Architekt als Antwort auf die Frage, was für ihn Nachhaltigkeit ist; eine Zeile, die auch Thom Yorke singen könnte. „We always want to try change situations before they change.“ Man kann viel von ihm lernen. (Jeanette Kunsmann)

erschienen in der Baunetzwoche#308 Junya Ishigami

Bildschirmfoto 2013-02-22 um 16.06.37

Bildschirmfoto 2013-02-22 um 16.07.19

Bildschirmfoto 2013-02-22 um 16.07.26

Bildschirmfoto 2013-02-22 um 16.07.31

Bildschirmfoto 2013-02-22 um 16.07.40

Bildschirmfoto 2013-02-22 um 16.07.45 Bildschirmfoto 2013-02-22 um 16.07.52

Die Austtellung Junya Ishigami. How Small? How Vast? How Architecture Grows ist noch bis zum 16. Juni 2013 im deSingel Internationale Kunstcampus, Desguinlei 25, B-2018 Antwerpen zu sehen.

www.desingel.be

Abtauchen in Mitte: Das Flussbad Berlin

Flussbad-morgen-Hd

Der Spreekanal zwischen Schlossplatz und Bodemuseum: Eines der größten innerstädtischen Areale der Hauptstadt ist bis heute vollkommen ungenutzt. Direkt an der Museumsinsel wollen wir dieses Teilstück der Spree als Schwimmbecken neu erfinden. Damit gäbe es in Berlin in naher Zukunft eines der größten und schönsten Schwimmbecken der Welt: 750 Meter lang – und in der Mitte der historischen Altstadt.
Das klingt irre und es ist völlig ernst gemeint. Es geht um nichts weniger, als darum, einen vollständigen Flussarm der Spree umzunutzen. Zu einem Ort an dem sich sowohl die Natur, als auch die Menschen erholen können. Hintereinander aufgereiht entstehen ein Biotop, eine Pflanzenklärbecken zur Reinigung des durchfließenden Flusswassers und schließlich der Beckenbereich – vom Schlossplatz, vorbei am Lustgarten, bis hinunter zum Bodemuseum.

 

www.flussbad-berlin.de

Mitglied werden!

Playboy Architecture

Bildschirmfoto 2013-02-15 um 15.16.01

Was machen Mies van der Rohe, Frank Lloyd Wright, Buckminster Fuller, John Lautner und Albert Speer zwischen ausklappbaren Fotos barbusiger Playmates? Man kann es sich vielleicht nur schwer vorstellen, aber zu Beginn war der Playboy ein Männermagazin mit durchaus intellektuellem Anspruch. Weniger nackte Haut, sondern vor allem Literatur, Lifestyle, Design und Architektur sind in den Heften zu finden – nicht zu vergessen die langen Editorials des Herausgebers. Der Playboy: ein Kulturbote? Hugh Hefners legendäres Magazin habe vor allem in der Architektur maßgeblich zur Verbreitung der Moderne beigetragen, so die These des Kuratoren-Teams der Princeton School of Architecture um Beatriz Colomina. Vergangenen Samstag ist im NAiM/ Bureau Europa in Maastricht zu diesem Thema eine Ausstellung zu Ende gegangen, die man gesehen haben sollte. Die Exponate, Playboy-Hefte aus den Jahren 1950 bis 1970, sind bereits in Kisten verpackt, auch Möbelstücke wie das „Playboy Bed“ und Modelle wie das „Playboy Town House“ werden eingelagert. Drei Gründe, warum „Playboy Architecture 1953–1979“ bald weiterziehen sollte…

Artikel erschienen in der  Baunetzwoche#307

Bildschirmfoto 2013-02-15 um 15.16.08

Bildschirmfoto 2013-02-15 um 15.16.23
Bildschirmfoto 2013-02-15 um 15.16.34

Bildschirmfoto 2013-02-15 um 15.16.39

Bildschirmfoto 2013-02-15 um 15.16.47

Alvar Aalto in Wolfsburg

Einen neuen Zugang zum Gebäude hat man sich für das Alvar-Aalto-Kulturhaus in Wolfsburg gewünscht – und ihn auch bekommen. Die Architekten von raumlabor nahmen die Aufgabe beim Wort und haben eine temporäre Treppe installiert, die auf das Dach des Kulturzentrums führt – ähnlich wie Alvar Aalto es selbst einmal geplant hatte. „Shortcut“ ist aber nicht nur eine Abkürzung übers Dach, sondern beinhaltet auch ein Sommercafé auf der Dachterrasse des Kulturhauses. Wolfsburg feiert 2012 seine drei Aalto-Bauten, von denen zwei in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum haben: Es ist „Aalto-Festivaali“ in der niedersächsischen Autostadt. Die BAUNETZWOCHE auf den Spuren des finnischen Architekten in Wolfsburg.

www.baunetz.de/baunetzwoche



documenta: Pavillons im Park

Fotos: Jeanette Kunsmann, Kassel Juni 2012

Ai Weiwei: Never Sorry

Es gibt Katzen, die Türen öffnen. Sie lauern direkt vor der geschlossenen Tür, fixieren die Klinke, springen kurz wie ein Artist in die Höhe, und innerhalb von Sekunden ist die Tür auf und der Weg frei. Allein im Pekinger Atelier von Ai Weiwei leben über
40 Katzen, nur eine von ihnen kann jedoch Türen öffnen. „Der größte Unterschied zwischen Menschen und Katzen ist, dass Katzen zwar Türen öffnen, sie aber nicht schließen können“, philosophiert der chinesische Künstler und lächelt in die Kamera. Er spricht gerne in Metaphern. Die Tür, die Ai Weiwei aufgestoßen hat, wird sich vermutlich nie wieder schließen lassen.