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Kategorie: Leute

Stress and the City – Architektur auf der Couch

Architektur auf der Couch: Ein Arzt will dem Stress in der Stadt auf den Grund gehen; darüber diskutiert er mit dem Architekten J. Mayer H., aber auch der Entertainer Harald Schmidt kommt zu Wort. Passend dazu zeigen wir die Serie „City Scape“ der amerikanischen Fotografin Clarissa Bonet.

PDF lesen unter www.bauntez.de

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Berlin: A City Soft As Butter

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Fotos: Simon Menges, Text: Jeanette Kunsmann

Read the full article in the fantastic Berlin-Issue of the superfantastic uncube magazine:  www.uncubemagazine.com

In den Ferien zuhause

Eine italienische Architektin baut in Spanien ein Wohnhaus für eine deutsche Designerin. Klingt nach einer guten Geschichte – ein Besuch in Barcelonas Vorstadt.64189717_c05396668e

Jeder große Architekt hat einen Stuhl oder eine Lampe entworfen – jeder namhafte Designer schon mal ein Haus gebaut. Die Grenzen zwischen Kunst, Design und Architektur verschwimmen zunehmend – ob aus Mut, Größenwahn oder Langeweile.

In Sant Cugat del Vallès, einer kleinen Stadt westlich von Barcelona, hat eine Designerin für sich und ihre Familie ein Wohnhaus gebaut. Jeannette Altherr wollte ihr neues Zuhause nicht selbst entwerfen, aber sie wollte mitbestimmen – der Neubau ist zusammen mit der italienischen Architektin Enrica Mosciaro entstanden. Trotz eines ähnlichen ästhetischen Verständnisses mussten sich beide auf fremdes Terrain wagen. Die Architektin plant in Zentimetern, die Designerin denkt in Millimetern: Das Projekt ist ihr gemeinsames Baby geworden.

Ebenso wie Interior-Design nicht nur eine hübsche Ansammlung teurer Möbelklassiker ist, ist ein Haus mehr als die Summe seiner Einzelteile. Wenn es die Aufgabe des Designs ist, das Wesen der Dinge zu erforschen, welche Rolle spielt die Architektur? „Jedem Entwurf für ein privates Wohnhaus gehen lange Gesprächssitzungen voran“, erzählt Enrica Mosciaro. „Zunächst muss man als Architekt schließlich herausfinden, was jeder einzelne wirklich will und braucht und es von dem trennen, was er meint, sich wünschen zu müssen.“ Architektur wird Psychoanalyse, das Haus ein gebautes Familienportrait.


Mehr unter: www.baunetz.de

und der Hausbaus aus Sicht der Designerin auf www.designlines.de

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Wer berühmt ist, gehört sich nicht mehr selbst. Über den Dokumentarfilm Haus Tugendhat

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Es sollte ein kleines Haus mit fünf Zimmer werden. Als Fritz und Grete Tugendhat den Architekten Ludwig Mies van der Rohe 1928/29 mit dem Entwurf für ein Wohnhaus im tschechischen Brünn beauftragten, ahnten sie, worauf sie sich einlassen, und hatten dennoch keine Vorstellung, was sie erwarten würde.

Der Architekt, der im selben Jahr den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Barcelona gebaut hatte, überraschte das jüdische Unternehmer-Ehepaar mit einem modernen, leichten und schwerelosen Gebäude, in dem die Kinder nicht niesen wollten, aus Angst, es breche sonst zusammen. „Versenkbare Glaswände, pathetische Räume und vor allem diese Noblesse“, schwärmt Ruth Guggenheim-Tugendhat in ihren Kindheitserinnerungen. „Schon damals wusste jeder, dass dieses Haus besonders war.“

Ruth Guggenheim-Tugendhat ist eine von vielen Stimmen, die in dem Dokumentarfilm „Haus Tugendhat“ zu Wort kommen. Regisseur Dieter Reifarth verwebt darin geschickt die Biographie des beeindruckenden Bauwerks mit dem Portrait einer Großfamilie voll an persönlichen Schicksalen. Auch die einflussreichen Tugendhats wurden von den Nationalsozialisten verfolgt und mussten von Tschechien über die Schweiz nach Venezuela fliehen.

Eine Zeit lang blieb ihr schönes Haus, dass die gesamte Familie so geliebt hatten, unbewohnt – es folgt eine abwechslungsreiche Nutzergeschichte. Die deutsche Familie Messerschmidt mietete die Villa Tugendhat für 1.300 Reichsmark und machte es sich dort gemütlich: Eine biedere Bauernstube in der großen Halle war nur eine von mehreren Bemühungen, sich in dem modernen Wohnhaus einzurichten. In den ersten Nachkriegsjahren diente das Haus als private Ballettschule, später dann, von den 1950er bis 80er Jahren wurde es als Therapiezentrum für wirbelsäulengeschädigte Kinder genutzt. Erst seit 2012 ist die Villa Tugendhat saniert und wieder für Besucher zugänglich – für die lebenden Mitglieder der Familie Tugendhat war dies ein mühsamer und langer Kampf. „Wer berühmt ist, gehört sich nicht mehr selbst“ – dies trifft nicht nur auf bekannte Persönlichkeiten, sondern eben auch auf Ikonen der Baugeschichte zu.

Reifarth fügt all diese unterschiedlichen Geschichten, die in der Villa beginnen, diese streifen oder hier enden, zu einem spannenden und facettenreichen Film zusammen. Gespräche mit den noch lebenden Familienmitgliedern und ihren Enkeln sowie den einstigen Benutzern des Hauses, Kunsthistorikern und Restauratoren spannen einen großen Bogen auf; historische Foto- und Filmaufnahmen des Gebäudes werden durch Familienfotos ergänzt und lassen die Villa lebendig werden.

Die Frage, ob man in der Villa wohnen kann, zieht sich durch den gesamten Film und wird mit diesen Fragmenten subtil beantwortet. Spielende Kinder im Garten, eine glückliche Familie auf dem Mies-Sofa oder turnende Mädchen vor der Onyxwand sind stille, schöne Momente in der Biographie dieses Bauwerks. Ergänzt durch die Perspektive der Kunsthistoriker und Denkmalpfleger ist so ein kluger Film entstanden, der weit mehr Themen anspricht, als die Geschichte der Familie Tugendhat und ihrer berühmten Villa.

Der Film „Haus Tugendhat“ will dabei nicht mehr sein, als er ist: eine Dokumentation. Gerade deshalb ist er so gelungen, weil Reifarth es schafft, mit sanften Tönen, leisen Bildern und einem unaufgeregten Tenor ein so großes Spektrum zu eröffnen: Mit Architektur fängt es an, doch spiegeln sich hier alle Aspekte das Leben. (Jeanette Kunsmann)

erschienen am 23. Mai 2013 auf www.baunetz.de

Haus Tugendhat

Buch, Regie und Schnitt: Dieter Reifarth
Kamera: Rainer Komers, Kurt Weber
Pandora Film, 2013

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(Foto: © strandfilm, Pandora Film Verleih)

Neustart nach der Postmoderne – Caroline Bos und Ben van Berkel im Gespräch

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Seit Freitag ist in der Berliner Galerie Aedes die Installation „Motion Matters“ von UN Studio zu sehen. Wir sprachen vor der Eröffnung mit Caroline Bos und Ben van Berkel über die Postmoderne, den perfekten Raum und das Geheimnis der ewigen Jugend.

Die 80er Jahre gelten als sehr ideologisch geprägt: Die Postmoderne war noch in vollem Gange, während Koolhaas und andere sich schon wieder der Moderne zuwandten. Sie haben 1988  – mitten in diesen Zeiten – ihr Büro gegründet. Mussten Sie sich freischwimmen?

Ben van Berkel: Interessante Frage! Man darf nicht vergessen, dass diese ideologischen Spannungen ihren Ursprung in der Architectural Association hatten. Unsere Dozentin war Zaha Hadid – wir waren also eine jüngere Generation, zusammen mit Nigel Coates, der bei Bernard Tschumi gelernt hatte. Heute könnte man diese Gruppe vielleicht unter dem Titel „Narrative Architektur“ zusammenfassen.

Im Gegensatz zur Postmoderne, zu Krier, aber auch zu Tschumi und Koolhaas, die sich der Architektur eher über die politischen Themen dieser Zeit genähert haben, gingen wir ganz von architektonischen Fragen aus. Darüber haben wir auch unser erstes Buch geschrieben, wie Architektur wieder aus sich selbst heraus faszinieren kann.

Caroline Bos: Neben unserer theoretischen Arbeiten haben wir von Anfang an versucht zu bauen. Zaha Hadid hatte noch nicht ein Gebäude realisiert, da hatte Ben bereits einige Bauten abgeschlossen. Man hatte fast den Eindruck, dass sogar etablierte Architekten Angst davor hatten, beim Bauen Kompromisse machen zu müssen. Aber Architekten müssen praktizieren – sonst sind sie nie in der Lage zu bauen.

Frau Bos, Sie wurden einmal als „kritischer Motor“ von UN Studio bezeichnet. Wie kamen Sie zusammen, was dachten Sie damals über Bens Ansatz und wie sehen sie seine Arbeit heute?

Caroline Bos: Noch kritischer! (lacht)

Sie sind Kunsthistorikerin – wie muss man sich ihre Zusammenarbeit vorstellen?

Caroline Bos: Wir hatten zu Anfang keine Ahnung, dass wir einmal zusammen arbeiten würden, kannten uns aber schon, bevor wir nach London gingen. Als wir eine Ausstellung besprechen sollten, haben wir entdeckt, dass wir zwar unterschiedliche Betrachtungsweisen haben, dass die sich aber gut ergänzen. Mir gefallen Bens Ideen und Visionen; wir stimulieren uns auf eine intellektuelle Weise.

Was erwarten Sie von Ihrer Architektur? Wie sieht der perfekte Raum aus?

Ben van Berkel: Ein perfekter Raum ist unperfekt. Bei unserer Architektur geht es mehr um das Nachbild: Was in Erinnerung bleibt, ist wichtiger als das, was wir sehen oder erwarten. Es ist wie mit Büchern oder Filmen – wenn sie gut sind, will man sie immer wieder lesen oder noch einmal sehen.

Box vs. Blob: Vor etwa 15 Jahren gab es noch einen ausgeprägten Konflikt zwischen diesen beiden Strömungen, heute scheint in der Architektur alles möglich, und es wird kaum noch diskutiert. Vermissen Sie die Debatte?

Caroline Bos: Ich denke, weniger entscheidend als der eigentliche Konflikt war es, neue Ideen zu entwickeln. Vielleicht sind wir heute nicht mehr so involviert, aber ich vermisse schon eine generelle Auseinandersetzung. Die neuen Computerprogramme waren aber nicht nur die Basis für Blob-Architektur, sondern auch für effizienteres und schnelleres Arbeiten.

Ben van Berkel: Box oder Blob, wen kümmert das schon? So lautete schon damals unser Statement. Wir wollten die Architektur von stilistischen Referenzen befreien, umdenken und neue Gedanken und Ansätze zusammenbringen. In sofern sind wir vielleicht auch mitschuldig daran, dass es heute weniger Diskurs gibt. Und vielleicht braucht es nun wieder mehr Sinn und Verantwortung.

Caroline Bos: Ja, der Konflikt damals war sehr intensiv und von Bedeutung – das ist heute nicht mehr so.

Sie haben nicht nur Gebäude entworfen, sondern auch Möbel und städtebauliche Masterpläne. Gibt es für Sie einen Unterschied zwischen Design, Architektur und Städtebau?

Ben van Berkel: Selbstverständlich gibt es Unterschiede. Wir denken aber kaum in einzelnen Maßstäben, sondern in Aspekten und Kategorien. Uns ist aufgefallen, dass sich diese fast immer übertragen lassen: vom Großen ins Kleine und umgekehrt. Der Burnham Pavilion in Chicago ist dafür ein gutes Beispiel. Er sieht aus wie ein Tisch und hat uns deswegen zu einem Möbelentwurf inspiriert: dem „Sit-in-Table“.

Beeinflusst Modedesign Sie als Architekten?

Ben van Berkel: Architekten können keine Mode, aber vielleicht ein Kleid für die Zukunft entwerfen. Man kann von jedem Gebiet etwas lernen und sich inspirieren lassen.

Wie sieht denn ihre Vision für die Gebäude der Zukunft aus?

Ben van Berkel: Wie Architektur in ein paar Jahrzehnten aussehen wird, kann ich leider nicht sagen –  sie wird auf jeden Fall performativer und interaktiver sein.

Ein großes Thema heute ist Umbau und Umnutzung von bestehenden Gebäuden. Die Projekte von UN Studio sind sehr präzise Entwürfe, sehr festgelegt – könnten Sie sich vorstellen, dass sie in fünfzig Jahren eine andere Nutzung haben?

Ben van Berkel: Daran sind wir jedenfalls sehr interessiert. Wir versuchen auch, unseren Auftraggebern zu vermitteln, dass zum Beispiel ein Bürogebäude gar nicht als Bürogebäude gebaut werden sollte. Also schauen wir auf Raster und Systeme und versuchen, sie so zu entwerfen, dass sie auch zu Wohngebäuden werden könnten.

Zum Thema Haltbarkeit: Man nimmt UN Studio noch 25 Jahren immer noch als „junge Architekten“ wahr – was ist Ihr Geheimnis?

Ben van Berkel: Wir lehren beide – das hält frisch! Außerdem sind alle unsere Mitarbeiter deutlich jünger.

(Das Gespräch führten Jeanette Kunsmann und Stephan Becker; erschienen am 22. Mai 2013 auf www.baunetz.de)

Schreckliche Berufe#1: Der Makler

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Herr F. hat sie in der Hand, die Schlüssel zum Glück. Oft kommt er fünf Minuten zu spät, dann muss er nicht warten und auch nicht allen Interessenten umständlich die Tür aufhalten. Er grüßt kurz in die Runde, schließt dabei die Haustür auf, geht schnellen Schrittes voran und verteilt die Bewerbungsbögen in der Küche. Manchmal ist er auch aber schon etwas eher da – dann, wenn er sich selbst vorher noch mal ein Bild machen will.

Immobilienmakler: das ist einer dieser Berufe, die von vielen als unehrenhafte Tätigkeit gesehen werden – so, wie es mal der Zöllner war. Dabei ist es doch ein wichtiger Job, Wohnungen zu vermitteln. Der Ärger beginnt mit den Provisionen: Äquivalent zu den hohen Mieten ist die Makler-Courtage ebenfalls enorm gestiegen – da genügt es häufig nicht mehr, den Sommerurlaub zu streichen. Doch vielleicht wurde einfach nur die Rollentverteilung missverstanden: Müsste nicht eigentlich der Vermieter, und nicht der Mieter den Makler bezahlen?

Und dann dieses Maklerdeutsch, eine Sprache mit eigenen Codes: hinter „Gartennutzung“ verstecken sich dunkle Wohnungen im  Erdgeschoss, ein „charmanter Altbau“ kann eine Bruchbude sein,  „ruhige Lage“ heißt ab vom Schuss, „verkehrsgünstig gelegen“ ist meistens irre laut und „neuer Holzboden“ meint Laminat. Die Tricks sind bekannt, trotzdem mag es niemand, angelogen zu werden.

Die Wohnung, die Herr F. heute zeigt, ist gar nicht mal so schlecht, aber doch etwas zu klein. Der Makler scheint gut gelaunt und beantwortet bereitwillig ein paar Fragen:

Makler in Berlin, ein Traumjob? Immerhin werden auffallend mehr Provisionen in Rechnung gestellt.
Ja, man merkt da einen deutlichen Anstieg. Viele Hausverwaltungen wollen sich nicht mehr um die Vermittlung ihrer Wohnungen kümmern, diese Sonntagsbesichtigungen sind ja auch nicht besonders familienfreundlich. Und im Anzeigen erstellen: Da sind wir Makler einfach besser.

Wie kann man eine schlechte Wohnung gut anpreisen? Verraten Sie uns ein Beispiel?
Ach, da gibt es so einige Möglichkeiten. Für die dunkle Wohnung im Erdgeschoss zeigt man in der Anzeige Fotos von der Wohnung drei Etagen höher und bei renovierungsbedürftigen Wohnungen erlässt der Vermieter ein paar Kaltmieten. Unglaublich, dass sich heute immer noch genügend Freiwillige finden, die gerne Dielenböden abschleifen wollen.

Warum ist der Wohnungsmarkt in Berlin so unentspannt?
Finden Sie? Ich denke eher, die Berliner sind unentspannt. Vor zehn Jahren gab es noch nicht so hohe Ansprüche, da wollten man vor allem günstig wohnen und hat dafür auch die Ofenheizung in Kauf genommen. Heute wollen alle in den einschlägigen Bezirken wohnen und nicht am idyllischen Stadtrand, dabei sind die Verkehrsanbindungen doch gut ausgebaut. Die Leute wollen Luxus, sind aber nicht bereit dafür zu bezahlen.

Wie wohnen Sie denn?
Oh, ich habe das Glück, dass ich das Haus meiner Eltern geerbt habe – das ist sehr schön und gemütlich, aber natürlich etwas außerhalb gelegen. Ich mag die Ruhe in meinem Garten, in Kreuzberg oder Mitte würde ich niemals wohnen wollen. Für mich ist es ja egal, wo ich in Berlin wohne, da ich immer einen anderen Weg zur Arbeit habe und sowieso den Hauptteil meiner Arbeitszeit mit dem Auto unterwegs bin.

Sind Sie bestechlich?
Nee, muss ich auch gar nicht. Ich verdiene ja ganz gut, Tendenz steigend.
(Er grinst) Und, wie finden Sie die Wohnung?

(Das fiktive Gespräch fand im Frühling 2013 während einer Wohnungsbesichtigung in Berlin statt.)

Werner Huthmacher: Neue Galerie

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Fragile Stadtgesichter – Matthew Pictons Paper Cities

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Matthew Picton baut Papierstädte. Seine Modelle stellen jedoch nicht irgendwelche Städte dar, sondern vor allem solche, die einmal durch eine Katastrophe wie Überschwemmungen, Erdbeben oder Feuer verwüstet wurden. Den britischen Künstler fasziniert die Veränderung, die Verwandlung und vor allem: der Akt der Zerstörung. Abstrakt und dennoch akkurat gearbeitet, zeigen seine Modelle London im Jahr 1666, San Francisco 1936 und Dresden 1945 ­– ein Vorher und Nachher in Form fragiler Skulpturen, die Zeitgeschichte erzählen. Es sind bekannte Stadtgesichter; der Wiedererkennungseffekt ist dem englischen Künstler bei seiner Serie Papier Cities ebenso wichtig wie die Geschichte dahinter.

Matthew Picton liebt Landkarten. Schon in seinen füheren Arbeiten hat er sich intensiv mit Karten und Stadtgrundrissen beschäftigt. Doch bei seinen dreidimensionalen Linienzeichnungen fehlte ihm immer eine passende Darstellungsform für den Raum zwischen den bebauten Grundstücken. Er hatte vieles ausprobiert. „Papier funktioniert perfekt, um diesen Zwischenraum zu formen und zu gestalten“, sagt Picton. „Es ist ein wunderbar flexibles Medium, mit dem man auch gut Texte und Bilder einbinden kann. Der einzige Nachteil von Papier ist seine Fragilität. Deshalb stelle ich mit viel Aufwand kleine Unterkonstruktionen her und verwende speziellen Klebstoff sowie Tinte und Papier, die nicht ausbleichen.“ (…)

Mehr unter www.designlines.de/feel

Special zum Thema Papier auf www.designlines.de

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Junya Ishigami

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Er liebt Radiohead, erinnert mit seinem schwarzen, eng geschnittenen Jacket und dem extravaganten Kragen irgendwie an den King of Pop und schafft mit seinen weißen Modellen abstrakte Gedankengebäude. Junya Ishigami zählt zu denjenigen, die niemals erwachsen werden – dennoch dürfte er Architekturgeschichte schreiben. Auf seiner ewigen Suche nach einer neuen Realität bewegt sich der Japaner dabei außerhalb der Grenzen des Möglichen: Es sind Systeme ohne Hierarchie, leichte Tragstrukturen, die fast verschwinden, und Gebäude, die kein Innen und Außen haben. Ein Tisch ist für ihn ebenso Architektur wie ein Haus oder eine Brücke; grundlegend für seine Arbeiten ist der Bezug zwischen Architektur und Natur. „Für mich als Japaner sind natürliche Elemente immer auch artifiziell“, erklärt der 39-jährige, der 2010 auf der Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen geehrt wurde. „Es gibt keine echte Natur – selbst Wälder und Landschaften sind künstlich angelegt.“ Seine Lieblingspflanze ist Klee.

Im Antwerpener Kunstcampus deSingel ist gerade die Ausstellung „How Small? How Vast? How Architecture Grows“ zu sehen, die zum ersten Mal das Gesamtwerk von Ishigami nach Europa holt. 58 Projekte sind auf den schmalen Holzbrettchen, die weder Tisch noch Bank sind, drapiert. Modelle, Miniaturen, Zeichnungen und Aquarelle – Ishigami hat all seine Ideen und Entwürfe ordentlich aufgereiht und wie in einem Labor perfekt und steril inszeniert. Die Ausstellung selbst ist ein Kunstwerk: Die Modelle sind keine typischen Architekturmodelle, es sind geklebte und gefaltete Papierwälder und -landschaften, gebastelte Pflanzen, Wolkenstudien, Puppenstuben und Wohnhäuser, die ähnlich wie ein Bühnenbild gebaut sind und in dem schwarze Papierfiguren Szenen nachspielen, die ein wenig Aktion in die schönen Modelle bringen. Auf den acht schwebenden, sehr langen Tischen ist alles so leicht und fragil, dass man aus Angst, man könnte husten oder niesen, am liebsten die Luft anhalten möchte.

„Ich möchte das Innere eines Gebäudes so entwerfen, dass es sich wie ein Außenraum anfühlt“, sagt das japanische Wunderkind, das bis 2004 bei SANAA gearbeitet hat. Die extrem schmal dimensionierten Wände, Stützen und Decken entwickelt Ishigami zusammen mit dem Ingenieur Jun Sato. Bei seinem Debüt, dem Kanagawa Institute of Technology KAIT Workshop bei Tokio, sorgte er 2008 mit 63–90 Millimeter dünnen Stützen und einem unregelmäßigen Raster für Aufmerksamkeit. Ein fünf Meter hoher Stützenwald ermöglicht eine Auflösung jeglicher Wände – es entsteht ein Außen- im Innenraum, ein schwebendes Klassenzimmer. Die zehn Meter lange Tischplatte, die Junya Ishigami 2005 in einer Gallerie in Tokio installierte, wurde mit einem Querschnitt von nur 3 mm fast unsichtbar – ein Spiel aus Illusion und Wirklichkeit. „Ich möchte, dass die Konstruktion ein Rätsel wird“, erklärt Ishigami.

Auf Zehenspitzen schleichen die Besucher durch die Ausstellung. Am Ende der Retrospektive wartet in einem zweiten Raum ein runder Abschluss: Die Installation „Little Gardens“ zeigt eine Sammlung von winzigen Miniatur-Blumen, die wie Süßigkeiten wirken. Der runde weiße Tisch mit den drei dünnen Beinen scheint wie alles andere in der Ausstellung ebenfalls zu schweben – bei Junya Ishigami ist die Schwerkraft eben besonders gering.  „Everything is always changing everytime“, flüstert der japanische Architekt als Antwort auf die Frage, was für ihn Nachhaltigkeit ist; eine Zeile, die auch Thom Yorke singen könnte. „We always want to try change situations before they change.“ Man kann viel von ihm lernen. (Jeanette Kunsmann)

erschienen in der Baunetzwoche#308 Junya Ishigami

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Die Austtellung Junya Ishigami. How Small? How Vast? How Architecture Grows ist noch bis zum 16. Juni 2013 im deSingel Internationale Kunstcampus, Desguinlei 25, B-2018 Antwerpen zu sehen.

www.desingel.be

My … is better than yours! Der Streit um die Wortmarke Bauhaus: New Tendency

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Man weiß nicht, ob man Angst bekommen oder lachen soll. „In 50 oder 100 Jahren wird niemand mehr den Unterschied zwischen der historischen Schule von Gropius und dem Baumarkt wissen“, so das Statement von Robert Köhler, Pressesprecher der Bauhaus AG, Anfang Januar. „Vielleicht in Deutschland, aber nicht in anderen Ländern.“ Es geht um das Bauhaus. Heinz Georg Baus, Gründer der gleichnamigen Baumarktkette nutzte 1960 die Gunst der Stunde und ließ die Marke Bauhaus schützen; heute ist sein Bauhaus die zweitgrößte Baumarktkette Deutschlands. Der Skandal entfachte zu Jahresbeginn eine Debatte über die Wortmarke „Bauhaus“, Zündstoff dazu lieferte ein Artikel im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung. „Wem gehört das Bauhaus“ fragte Journalist Markus Zehentbauer und portraitierte auf kluge Weise die Geschichte der Weimarer Gruppe „My Bauhaus is better than yours“.

Seit Herbst 2012 gibt es das Unternehmen „My Bauhaus is better than yours“ nicht mehr – oder halt, es gibt es doch noch, aber dazu später mehr. Das offene Netzwerk hat sich 2009 aus einer Freundschaft heraus entwickelt und sich als Studenteninitiative der Bauhaus-Universität Weimar mit der Gruppenausstellung „My Bauhaus is better than yours“ auf der Mailänder Möbelmesse etabliert. Dieses arbeitet an den Schnittstellen zwischen konzeptionellem Möbel-, Mode- und Grafikdesign. „Der Bezug zum historischen Bauhaus ist nur teilweise gegeben“, erzählt Manuell Goller, einer der drei Köpfe hinter dem jungen Label. „Aber die Grundidee, Departments aufzulösen und interdisziplinären Austausch zu fördern, ist wesent-licher Bestandteil von New Tendency. Wir verstehen uns nicht als reines Möbellabel, sondern suchen den Austausch mit Mode-, Grafikdesignern und befreundeten Architekten“

Das Bauhaus hat alle Mitglieder des Netzwerks durch ihr Studium in Weimar geprägt. „Den Slogan hat Daniel Burchard getextet“, erinnert sich Manuel Goller. „Bauhaus-Café, Henry-van de-Velde- Gebäude, Haus am Horn – Das Bauhaus hat uns ständig umgeben. ‚My Bauhaus is better than yours‘ hat uns geholfen, den Mythos aufzubrechen und uns Mut gemacht, uns an eigenen Interpretationen zu versuchen.“
Was mit einem Plakat angefangen hatte und mit einer Baumwolltasche international für Aufsehen sorgte, wurde letzten Sommer mit einem Anwaltsschreiben gestoppt. Bei einem Streitwert von 250.000 Euro kann man nur noch kurz mit den Schultern zucken: Was soll’s? Die Nachfolgeinstitutionen hatten in den Nachkriegsjahren schlichtweg versäumt, den Namen „Bauhaus“ zu schützen. Da ist es heute nicht nur für junge Unternehmer schwer, sondern auch die großen Bauhaus-Institutionen in Berlin, Weimar und Dessau haben im Kampf um die Warenklassen kaum eine Chance gegen den Baumarkt. Was wohl Gropius dazu sagen würde, dass die Markenrechte an dem Begriff „Bauhaus“ einem Baumarkt gehören? Jetzt nennt sich die Weimarer Firma „New Tendency“. Sie hatten auch andere Namen überlegt, „My Dada is better than yours“ zum Beispiel. Mit ihrem neuen Namen setzten sie ein positives Zeichen. Nach erfolgreichen Ausstellungen in Mailand und Beirut, auf der Art Berlin Contemporary und im Weltkulturen Museum Frankfurt sowie Kooperationen mit dem Kunstverein München, der Barbican Art Gallery London und dem Vitra-Haus in Weil am Rhein wurden sie nun kürzlich für den German Design Newcomer Award 2013 nominiert. Anfang Februar eröffnet die Gruppe übrigens ihr neues Büro mit Showroom in Berlin-Neukölln, direkt neben der Bruno-Taut-Siedlung in der Ossastraße. Die Jungs von New Tendency sind nicht zu stoppen – Namen sind zum Glück eben nur Schall und Rauch.

„Für uns ist der Vorgang abgeschlossen“, sagt der Robert Köhler, Pressesprecher des Baumarkts, heute. „Wir möchten betonen, dass wir unsere bekannte Marke gegen gewerbliche Nachahmer verteidigen. Unser Vorgehen richtet sich nicht gegen die Museen und Hochschulen, welche das ideelle Andenken der 1933 aufgelösten Bauhaus-Schule bewahren. Zu diesen pflegen wir seit Jahrzehnten eine harmonische Koexistenz. Gesprächsangeboten dieser Institution stehen wir offen gegenüber.“ Klingt friedlich. Die Diskussion bleibt und macht auf etwas ganz anderes aufmerksam: Den wachsenden Kulturverlust der heutigen Gesellschaft. (Jeanette Kunsmann)

www.newtendency.de

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www.baunetz.de/woche